KeinVerlag-Autorin Alina Becker beantwortet 16 Fragen.

16 Fragen an Alina Becker

Alina Becker ist KeinVerlag-Autorin, regelmäßige Teilnehmerin und Mitorganisatorin der ZUSAMMEN/KUNST!. Hier und heute ist sie vor allen Dingen unsere dritte Interviewpartnerin für die Rubrik 16 Fragen. Über sich selbst schreibt Alina:

KeinVerlag-Autorin Alina Becker beantwortet 16 Fragen.

KeinVerlag-Autorin Alina Becker beantwortet 16 Fragen.

„Guten Abend, alle miteinander. Mein Name ist Alina. Ich bin eine Ravenclaw, liebe Suppen jeglicher Art und mein Starterpokémon war meistens der Feuerstarter. Ich entstamme der Sippe der sieben Zwerge im Land der tausend Berge. Großen Ruhm erlangte ich dereinst mit meiner Pfirsichbowle. Mit sieben Jahren verfasste ich meine ersten Romane: ‚Weihnachten bei Familie Feldmaus‘ und ‚Eine Prinzessin hate keine Krone‘ (sic!). Seitdem ging es so steil bergab, dass es mich letztendlich ins Rotstiftmilieu trieb und ich mangels eigener Vorstellungskraft versuche, Kapital aus den kreativen Werken Dritter zu schlagen. Vielleicht kann ich davon irgendwann sogar meine Krankenversicherung bezahlen. Was ich hier mache? Ich liebe Fragebögen!“

16 Fragen an Alina Becker

Alina, wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?

Ich bin Studentin, als hätte ich einen geregelten Schlafrhythmus. Ihr dürft mich übrigens auch duzen, sonst komme ich mir so seriös vor.

In Ordnung. Wenn du eine Zeitung aufschlägst, liest du zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?

Meistens die Todesanzeigen. Dann denke ich mir meine eigene aus.

„Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russel) Wie stehst du zu dieser Aussage?

Tritt ein, tritt ein, bring Glück und Glas, wie leicht bricht jeder seines eigenen und des anderen Unglückes Schmied. Was ist eigentlich Glück?

Du redest mit einem Fragebogen, weshalb du wahrscheinlich keine Antwort erwartest. Aber die nächste Frage: Welche Genüsse gönnst du dir im Alltag? Welche sind für dich besonders?

Im stillen Kämmerlein Fragebögen auszufüllen. Eine Wohltat, eine Streicheleinheit für Seele und Leib, fügt man der Prozedur noch ein schmackhaftes Süppchen und eine Tasse dampfenden Tee hinzu.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen, wie hat es dir gefallen?

Aus dem Nachlass meiner jüngst verblichenen Großmutter: Das „Gesundheitsbuch für die Familie“, Dr. Med. Oswald Bianco (1959). Eine wahrhaft erhellende Abhandlung über Lust, Liebe und Leiden(schaft) des anständigen Ehepaares in den späten Fünfzigerjahren.

„Die Natur verlangt vom Manne, daß er um das Weib wirbt, kämpft und ringt, es durch Leistung besticht. Allein diesem Zwecke dienen alle seine Talente und seine Kraft. Ein Mann, welcher seine kostbarste Kraft in feiger Selbstbefleckung verschleudert, verlernt es, sich charakterlich zu bewähren.“
(S. 571, Kapitel „Die Mannesschwäche“)

Welch eine Sprachgewalt, welch Romantik, welch Wahrheit! Schön, oder?

Schön. Dr. Bianco einmal ausgenommen — wer oder was inspiriert dich und weshalb?

Fragebögen. Sie inspirieren mich, tiefsinnige Fragen zu ignorieren, dich ich mir ohne sie niemals gestellt hätte.

Wie wichtig findest du Kontakte zu anderen Künstlern? „Fragebogen“ zählt nicht als Antwort.

Sobald der letzte Künstler durch einen Roboter ersetzt wird und sich die Schnittmenge Künstler/Mensch endlich verkleinert, werde ich mich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, gelegentliche Kurznachrichten mit dem einen oder anderen Roboterkünstler auszutauschen.

Wie würdest du deinen typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?

Ich lese hier immer Kunst. Ich bin wohl wirklich falsch. Bei uns hinter den tausend Bergen schafft man keine Kunst. Man kwackelt. Oder klauert. Aber gehen wir einmal davon aus, mein Geklauer sei wirklich Kunst. Dann vollzieht sich besagter Schaffensprozess in etwa so:

(Hypothetische oder selbstgesetzte Deadline: 0 Uhr.)

23.37 Uhr.

-.-
???
!!!
PC an.
Word auf.
KAPITEL EINS.
Hunger.
???
O.O
tipptipptipptipptipptipptipptipptipp
-.-
klick. speichern.
23.59 Uhr.
(Hypothetisches Senden.)
Word zu.
PC aus.
-.- zzz

Wie viel Zeit wendest du täglich für deine Kunst auf?

Maximal drölf Zeit. Man soll es ja nicht übertreiben.

Wie gehst du mit Schaffenskrisen um?

Ich lasse es nicht zu, dass Krisen mich schaffen. Ansonsten: Suppe.

Verfolgst du klare Ziele in deiner Kunst?

Die bereits erwähnte Krankenversicherung ist das wohl langfristigste Ziel. Und natürlich die Unterwanderung der deutschen Gegenwartsliteratur mit Texten, die nicht den Eindruck erwecken, als hätte der Autor sich nicht zwischen Strick, Rasierklinge und Pillendöschen entscheiden können, und stattdessen zum Bleistift gegriffen.

Beschäftigst du dich mit deinem eigenen Tod?

Nur mit meiner eigenen Beerdigung (siehe Frage 2). Wer sich dazu einfinden möchte: Jeden, der zu diesem Anlass im Trauerflor erscheint, werde ich aus der Urne heraus so lange spukend und spuckend verfolgen, bis er mir in selbige folgt.

Woran glaubst du und warum (nicht)?

Was war vor dem Wasserstoff?

Als Kind habe ich mir Gott als nackten, gelbhäutigen alten Mann mit dem Gesicht meines Großvaters väterlicherseits vorgestellt. Manchmal kehrt dieses Bild im Traum zurück …

Wann hast du dich das letzte Mal geschämt und wofür?

Ich habe erst gestern herausgefunden, dass ein vermeintliches Weinmischgetränk, das ich in meiner Jugend gelegentlich konsumiert habe, um meinen Abscheu gegenüber Gerstensaft zu kompensieren, eigentlich ein Biermischgetränk ist. Dass mir mein degenerierter Geschmackssinn und die Tatsache, dass ich offensichtlich erst auf der Uni das Lesen erlernt habe, so drastisch vor Augen geführt wurde, ließ mich doch ein wenig erröten.

Wie wichtig sind dir Manieren im Alltag?

Meiner Meinung nach ist eine gediegene Ausdrucksweise ein Grundpfeiler des pietätvollen gesellschaftlichen Miteinanders. Und ob ich meine Ellbogen beim Speisen auf der Tischkante ablege, mein Wohlbefinden durch ausgiebiges Aufstoßen ausdrücke oder mich gepflegt in der Öffentlichkeit am Gesäß kratze, hat euch andere Rektalausgänge eine humide Flatulenz zu interessieren.

Welche deiner Eigenschaften sind dir am wichtigsten?

Nicht immer alles so ernst zu nehmen. Das Leben. Den Tod. Fragebögen.

Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Alina Becker!

Veröffentlichungen von Alina Becker

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