16 Fragen an KeinVerlag-Autor Owald

16 Fragen an Owald

16 Fragen an KeinVerlag-Autor OwaldSchenkt man Owalds KeinVerlag.de-Profil Glauben, ist der Autor und ZUSAMMEN/KUNST!-Teilnehmer Owald derzeit tätig als agiler Geleebatzen. Was es sonst über ihn zu sagen gibt, sagt er besser selbst:

„Gestatten: Owald. Geboren 1977, wohnhaft in Dortmund. Beruflich verkaufe ich Putzmittel, was niemand, der meine Wohnung sieht, vermuten würde. Seit ein paar Jahren schreibe ich Gedichte, die ich im Internet zur Schau stelle. So landete ich bei KeinVerlag.de, und so kam ich dann auch zur Teilnahme an der ZUSAMMEN/KUNST! 2016. Dies wiederum rückte mich in den Fokus der 16 Seiten und setzte mich den unten aufgeführten 16 Fragen aus.

Deshalb bin ich hier. Und das nicht einmal ungern. Nuja.“

16 Fragen an Owald

Owald, wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?

An Arbeitstagen stehe ich morgens gegen halb acht auf und gehe abends zwischen elf und eins ins Bett. Wenn ich frei habe, verschiebt sich beides um ein paar Stunden nach hinten.

Wenn Sie eine Zeitung aufschlagen, lesen Sie zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?

Das kommt auf die Zeitung an: Wenn ich eine papierne Zeitung lese, was leider selten geworden ist, fange ich vorne an und höre hinten auf. Ich lese sowohl Sport als auch Feuilleton grundsätzlich mit Interesse. Die Reihenfolge aber richtet sich ganz nach den Vorgaben des Verlags.

„Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russell) Wie stehen Sie zu dieser Aussage?“

Ich weiß nicht, in welchem Kontext Herr Russell diese Aussage getätigt hat. So ganz ohne Zusammenhang erscheint sie mir jedenfalls nicht sonderlich treffend. Ich denke, dass auch und gerade anspruchsvolle Menschen nach Glück streben – wenn das Forschungsergebnis erst einmal verifiziert ist und das Nobelpreis-Komitee sich vorsichtig erkundigt, ob man am Tag der Preisverleihung schon etwas vorhat, wird auch der anspruchsvollste Wissenschaftler ein behutsames Glücksgefühl verspüren. Wer ein anspruchsvolles Ziel, vielleicht Lebensziel erreicht, erfährt Glück, und wenn nicht, dann liegt es jedenfalls nicht am Anspruch.

Der zweite Aspekt ist das „Glück der anderen“ – hier muss man differenzieren: Dem anspruchsvollen Astrophysiker und der anspruchsvollen Experimentalarchäologin mag das Glück anderer wurscht sein. Ein anspruchsvoller Arzt, Pfleger, Erzieher jedoch hat das Wohlergehen anderer doch gerade im Blick: Dem noch so anspruchsvollen Chirurgen, der den verletzten Finger des Pianisten wieder zusammenflickt, soll das Glück seines Patienten egal sein? Nie.

Welche Genüsse gönnen Sie sich im Alltag? Welche sind für Sie besonders?

Die Haustiere knuddeln, sonntags mit der Frau konditorn gehen, lauthals singen (Youtube-Karaoke!), blöde US-Krimiserien angucken mit Frau und Hund und wetten, wer zuerst einschläft, zuerst einschlafen, ausschlafen, Fußball gucken. Oft auch einfach Bier.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen, wie hat es Ihnen gefallen?

Sven Regener: „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“. Hat mir gut gefallen. Ich mag Regeners Bücher überhaupt: Banale wie irrwitzige Dialoge, Situationskomik, die nicht comedyhaft ist, dazu Tiefgang, den man aber erst mal kaum mitbekommt. Das Große im Kleinen sehen. Das Tragische in der Komik sehen und die Komik im Tragischen, das liegt mir irgendwie. Nuja: Regener hat mich auch musikalisch nicht unwesentlich beeinflusst.

Wer oder was inspiriert Sie und weshalb?

Schwer zu sagen. Ich kenne das nicht, das Gefühl, inspiriert zu sein. Am ehesten ist es, glaube ich, der Alltag, alltägliche Beobachtungen, Erlebnisse, Kontakte, Kuriositäten, Gespräche, Fragestellungen, Blödeleien. So was. Auf das Weshalb habe ich keine Antwort.

Wie wichtig finden Sie Kontakte zu anderen Künstlern?

Wichtig ist ein großes Wort. Ich habe Kontakte zu Künstlern zumindest immer als interessant, positiv irritierend und bereichernd erlebt.

Wie würden Sie Ihren typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?

Künstlerisch? – Nein. Ich schreibe Gedichte und Lieder, das ja, aber ich bin ganz sicher kein Künstler. Das sind Spielereien, die ich zwar mit hinreichendem Ernst betreibe, die aber an Kunst nicht einmal ansatzweise herankommen können: Für Kunst müsste ich viel mehr wissen, viel mehr können und wollen, viel mehr Zeit und Arbeit investieren. Kunst ist eine ernsthafte Sache. Da würde ich mich wahrscheinlich gar nicht rantrauen.

Für meinen Schaffensprozess indessen, und das war ja wohl die eigentliche Frage, ist am ehesten typisch, dass der Schluss eines neuen Textes oder Liedes meistens als erstes fertig ist und der Rest dann darauf aufgebaut wird.

Wie viel Zeit wenden Sie täglich für Ihr Schaffen auf?

In mehr oder weniger kreative Aktivitäten investiere ich schätzungsweise drei bis zehn Stunden im Monat.

Wie gehen Sie mit Kreativkrisen um?

Da ich regelmäßig ernsthafte Blockaden in den Bereichen Bad putzen, Wäsche waschen und Rechnungen bezahlen habe, habe ich einen recht gelassenen Blick auf kreative Krisen, zeitigen diese doch in den meisten Fällen keine Schulden, Kalkablagerungen oder dreckige Unterhosen.

Verfolgen Sie klare Ziele in Ihrer Kunst?

Ich glaube, da geht es in erster Linie um Selbstbestätigung. Um Anerkennung, Applaus und so etwas. Auch von mir selbst: Wenn ich einen gelungenen Text, ein gelungenes Lied hinbekommen habe, empfinde ich echte Zufriedenheit; da find’ ich mich gut. Das passiert mir sonst nicht so oft.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Tod?

Notgedrungen, er wird nun einmal unweigerlich eines Tages eintreten. Seit frühester Kindheit habe ich da schreckliche Angst vor. Nicht mehr ich sein, das kann und will ich mir nicht vorstellen.

Woran glauben Sie und warum (nicht)?

Ich glaube zu wissen. Dabei weiß ich eigentlich, dass ich nur glaube.

Wann haben Sie sich das letzte Mal geschämt und wofür?

Vor ein paar Jahren habe ich volltrunken eine nächtliche Fahrradtour unternommen. Nachdem mir die Sanitäter aus dem Gebüsch geholfen hatten, habe ich mich im Rettungswagen fürchterlich für meine Dummheit geschämt, auch später vor den Ärzten im Krankenhaus, die meinen verrenkten und gebrochenen Arm erstversorgten. Und noch viel mehr habe ich mich anschließend vor meiner Frau und meiner Familie und meinen Freunden geschämt, denen ich einen tüchtigen Schrecken eingejagt hatte. Obwohl, einige haben auch gelacht.

Wie wichtig sind Ihnen Manieren im Alltag?

Nicht ganz unwichtig, weil ein Mindestmaß an Höflichkeit und Konvention das Zusammenleben doch sehr erleichtert. Andererseits liegt es mir fern, in Knigge’sche Dimensionen vorstoßen zu wollen. Ich lebe in einer Gegend, wo geschätzte 96,5 Prozent der Menschen, denen ich auf der Straße begegne, ebenfalls kein Fischbesteck bedienen können.

Welche Ihrer Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten?

Bedächtigkeit, Reflektiertheit, die Fähigkeit und der Drang, vieles kritisch zu hinterfragen. Zufällig sind dies auch die Eigenschaften, durch die ich mir ständig selbst im Weg stehe.

Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Owald!

Ausgewählte Veröffentlichungen von Owald

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