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Sigune Schnabel – Vom Kai zieht Salzluft

Vom Kai zieht Salzluft

in mein Haar,
und Tage tragen graue Kleider,
gehen stumm an mir vorbei.
Nur Kinder sammeln noch Kastanien.
Zwischen Häuserfluchten
spielen Möwen.

Die Geduld
hat blaue Ränder.
Sieben Meilen fällt mein Wort,
zerschellt im Wind.

Du fügst dich in die Landschaft
wie ein Fels,
und wenn ich spreche,
breche ich
an dir
als Welle.

unangepasste

Owald – erfolgsspur

Owald – erfolgsspur

erfolgsspur

von Owald

so lange trat ich auf der stelle,
und immer blieb nur alles gleich,
ich blieb mir fremd, ich blieb mir treu.
dann blieb ich stehen. das war neu.
und stellte fest, erkenntnisreich:
der boden hat jetzt eine delle.

 

Owald – Du schläfst.

Owald – Du schläfst.

Du schläfst

von Owald

Du schläfst. Ich sitze neben dir und schaue.
Ein Traum nimmt zuckend Platz auf deinen Lippen,
läßt sanft dann deine Nasenflügel wippen
und wandert höher, bis zur linken Braue,

die, gleichfalls bebend, von dem Leben kündet,
das hinter deiner Stirne pulst und flimmert.
Ich schließe meine Augen, und es schimmert
noch immer, ja, es scheint, daß es mich findet.

Und kurz, ganz kurz nur darf ich darauf hoffen,
vereint mit dir im Traume zu verweilen,
doch bald ist es vorbei mit meiner Ruh:

Das Fernsehn ist noch an, das Fenster offen.
Die Lampe brennt, ich hänge in den Seilen.
So steh ich nochmal auf und deck dich zu.

 

sandfarben – krähenlied. Foto: Gabriele Diwald

sandfarben – krähenlied

krähenlied

das lied der krähen im wind
und ein bisschen unglück
in der tasche
nachts weben wir liebe
mit grashalmen des letzten sommers
als ob nichts wäre
der winter ist noch lang
das flattern der flügelschläge in den bäumen
und das laute gekrächze
ängstigen mich längst nicht mehr

sandfarben