Archiv der Kategorie: Lyrik

sandfarben – franco dogana

sandfarben – franco dogana

franco dogana

seit damals
spricht Salvatore kaum noch
er stempelt dogana italiana
auf die pakete
und blickt durch das schmale fenster
auf wolkenverhangenem horizont
wo sich berge vergraben
gleich seiner tage
hinter dem schreibtisch

wartet monatlich auf la poesia
eine zeitschrift auf der durchreise
nach norden für eine signora
darin stehen worte aus silberfäden
die brennen in seinem kopf
streichen über seine lippen
wie eine sanfte tierpfote

er öffnet und liest
verschließt sie dann wieder
und heftet vorsichtshalber
noch einen klebestreifen
über franco dogana

sandfarben

Sigune Schnabel – Vom Kai zieht Salzluft

Vom Kai zieht Salzluft

in mein Haar,
und Tage tragen graue Kleider,
gehen stumm an mir vorbei.
Nur Kinder sammeln noch Kastanien.
Zwischen Häuserfluchten
spielen Möwen.

Die Geduld
hat blaue Ränder.
Sieben Meilen fällt mein Wort,
zerschellt im Wind.

Du fügst dich in die Landschaft
wie ein Fels,
und wenn ich spreche,
breche ich
an dir
als Welle.

unangepasste

Owald – erfolgsspur

Owald – erfolgsspur

erfolgsspur

von Owald

so lange trat ich auf der stelle,
und immer blieb nur alles gleich,
ich blieb mir fremd, ich blieb mir treu.
dann blieb ich stehen. das war neu.
und stellte fest, erkenntnisreich:
der boden hat jetzt eine delle.

 

Owald – Du schläfst.

Owald – Du schläfst.

Du schläfst

von Owald

Du schläfst. Ich sitze neben dir und schaue.
Ein Traum nimmt zuckend Platz auf deinen Lippen,
läßt sanft dann deine Nasenflügel wippen
und wandert höher, bis zur linken Braue,

die, gleichfalls bebend, von dem Leben kündet,
das hinter deiner Stirne pulst und flimmert.
Ich schließe meine Augen, und es schimmert
noch immer, ja, es scheint, daß es mich findet.

Und kurz, ganz kurz nur darf ich darauf hoffen,
vereint mit dir im Traume zu verweilen,
doch bald ist es vorbei mit meiner Ruh:

Das Fernsehn ist noch an, das Fenster offen.
Die Lampe brennt, ich hänge in den Seilen.
So steh ich nochmal auf und deck dich zu.