Archiv der Kategorie: Lyrik

Philipp Schaab – Betonecho

Da ist nichts außer Beton
An der Mauer zu lesen
Zwischen den Zeilen graben
Die Finger schreiben bis zerschürft
Die Nägel knacken abgenutzt
Aus klaffenden Lippen
Das Wort zu rotem Saft zerrinnt
Im Nebelnirgendwo das Klageecholied
Dumpfer Trommelfaustschläge
Wie die Gischt an den Klippen
Zwielichtgrauer Vergängnisbucht.

Da ist ist nichts Alles
Ist wund.

Philipp Schaab

Bastian Kienitz – 23.03.2012 [14.00Uhr]

Du musst anfangen das weiße Blatt zu bemalen, mit einem
Bleistift fremde Zeichen, Hieroglyphen stanzen: in Rom wird
eben Weltgeschichte geschrieben vllt. auch deine Geschichte
oder das deiner Väter >> zumindest das deiner Vatersväter:

genug um auf den Hügelgräbern: Schachtelhalme, Moos zu
betten, flechten die Pflanzen und unterm Vordach mauern
sich Schwalben in ihre Nester ein, tauchen wieder auf, Luft-
wirbel in der Zwischenwelt / Tropopause: Fernsicht deutlich
erhöht

er nimmt die Spinne, überdeckelt sie mit Glas: m u r m e l t
(willkommen in meiner Welt, in der Gott und der Teufel ein
Spiel spielen)…Rauch…

Bastian Kienitz

sandfarben – franco dogana

sandfarben – franco dogana

franco dogana

seit damals
spricht Salvatore kaum noch
er stempelt dogana italiana
auf die pakete
und blickt durch das schmale fenster
auf wolkenverhangenem horizont
wo sich berge vergraben
gleich seiner tage
hinter dem schreibtisch

wartet monatlich auf la poesia
eine zeitschrift auf der durchreise
nach norden für eine signora
darin stehen worte aus silberfäden
die brennen in seinem kopf
streichen über seine lippen
wie eine sanfte tierpfote

er öffnet und liest
verschließt sie dann wieder
und heftet vorsichtshalber
noch einen klebestreifen
über franco dogana

sandfarben

Sigune Schnabel – Vom Kai zieht Salzluft

Vom Kai zieht Salzluft

in mein Haar,
und Tage tragen graue Kleider,
gehen stumm an mir vorbei.
Nur Kinder sammeln noch Kastanien.
Zwischen Häuserfluchten
spielen Möwen.

Die Geduld
hat blaue Ränder.
Sieben Meilen fällt mein Wort,
zerschellt im Wind.

Du fügst dich in die Landschaft
wie ein Fels,
und wenn ich spreche,
breche ich
an dir
als Welle.

unangepasste