Archiv der Kategorie: Lyrik

Owald – Du schläfst.

Owald – Du schläfst.

Du schläfst

von Owald

Du schläfst. Ich sitze neben dir und schaue.
Ein Traum nimmt zuckend Platz auf deinen Lippen,
läßt sanft dann deine Nasenflügel wippen
und wandert höher, bis zur linken Braue,

die, gleichfalls bebend, von dem Leben kündet,
das hinter deiner Stirne pulst und flimmert.
Ich schließe meine Augen, und es schimmert
noch immer, ja, es scheint, daß es mich findet.

Und kurz, ganz kurz nur darf ich darauf hoffen,
vereint mit dir im Traume zu verweilen,
doch bald ist es vorbei mit meiner Ruh:

Das Fernsehn ist noch an, das Fenster offen.
Die Lampe brennt, ich hänge in den Seilen.
So steh ich nochmal auf und deck dich zu.

 

sandfarben – krähenlied. Foto: Gabriele Diwald

sandfarben – krähenlied

krähenlied

das lied der krähen im wind
und ein bisschen unglück
in der tasche
nachts weben wir liebe
mit grashalmen des letzten sommers
als ob nichts wäre
der winter ist noch lang
das flattern der flügelschläge in den bäumen
und das laute gekrächze
ängstigen mich längst nicht mehr

sandfarben

Sunny Schwanbeck – dick

Sunny Schwanbeck – Dick.

Dick.

Ihr legt das Maßband um die Taille, ich leg das Maßband um das Herz,
eure ganzen Ideale sind für mich ein schlechter Scherz, ihr sagt ich kann mich nicht lieben,
so wie ich eben bin, denn schließlich bin ich alles, alles außer dünn.
Ihr sagt mir, dass ihr mich krass machen wollt und sexy und stark, dass es ja nicht sein kann,
dass ich mich wirklich mag, denn ich hab nen dicken Bauch und Cellulite hab ich auch
und meine Vorsätze ins Gym zu gehen war’n bisher nur Schall und Rauch.

Dann geht das diskutieren los,
über Gesundheit und Ästhetik, denn alles über 100 kg ist in euren Augen eklig,
dicke Menschen sind faul, dicke Menschen sind krank, dicke Menschen haben sowieso nur Säcke im Schrank
und im Grunde ist das Wort dick ein Ritterschlag zur Asozialität,
der definiert, was dir passt und was dir steht und sowieso,
wieso haben wir so viel Angst vor einem Wort?
Das hier ist nicht Harry Potter, unser Körper ist nicht der dunkle Lord.

Und dann sag ich, dass ich dick bin und du sagst, nein, du bist voll hübsch, und ich sag,
dass beides nicht zusammen geht, halt ich für ein Gerücht. Weil mein Körper mein Zuhause ist und ich es leid bin zu vergleichen
und ich viel zu lange brauchte, um endlich zu begreifen, ich bin gut so wie ich bin,
ich reiche nicht nur aus, ich erreiche so viel mehr, ich bin keine graue Maus,
ich bin mehr so Papagei, mit ner Extraportion federn
und ein recht auf eine Meinung hat grundsätzlich erst mal jeder,
doch mein Körper gehört mir, mein Körper das bin ich
und was du davon hältst interessiert mich wirklich nicht, denn es geht nicht ums bewerten,
das werdet ihr noch merken,
es geht darum einander das Bewusstsein zu stärken, das Bewusstsein für sich selbst,
das Bewusstsein für die Welt, lasst die Menschen doch so sein so wie es ihnen gefällt.

Wir sind alle gleich, unser Aussehen ist nur anders
und Schönheit liegt doch immer noch im Auge des Betrachters.

Also,
legt nicht das Maßband um die Taille, legt doch das Maßband um das Herz,
denn ne Zahl auf einer Waage definiert nicht meinen Wert.

Anmerkung von SunnySchwanbeck:

Und die Wörter „pummelig“ und „mollig“ könnt ihr euch in euren Detoxsmoothie schmeißen.