Archiv der Kategorie: Prosa

16 Fragen an Philipp Schaab

16 Fragen an Philipp Schaab

Philipp Schaab wurde 1984 in einer beschaulichen Kleinstadt an der hessischen Bergstraße geboren und lebt heute irgendwo im sagenumwobenen Odenwald. Er entwickelte in seiner Jugend eine Vorliebe für unheimliche Geschichten und düstere Poesie. Im Februar 2015 erschien mit „Gewitterdämmerung. Gedichte über Welt- und Sonnenuntergänge“ sein erster eigener Gedichtband. Der Erzählband „Der süße Duft der Kobralilie“ erschien im Mai 2016.

Während seines Studiums (Religionswissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte, Geographie) sammelte er Erfahrungen als Redakteur der Studentenzeitschrift „La Réwistance“. Unter dem Pseudonym „DerHerrSchädel“ veröffentlicht er Texte im Autorenforum www.keinverlag.de .

In seiner höchst interessanten Dissertation mit dem Titel „Götter, Ahnen, Blut und Boden? Die Konstruktion ethnischer Identität im gegenwärtigen slawischen Neuheidentum in Polen“ setzt er sich mit Nationalismus und slawisch-neuheidnischer Religiosität in Polen auseinander.

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Corona und die Kleinkunst – vier ZUSAMMEN/KÜNSTLER im Magazin „zugetextet“

Mit dem Doppelthema „Weltstaat / Zersplitterung“ lud das Magazin „zugetextet“ letztes Jahr dazu ein, Gedichte und Prosatexte für die diesjährige Ausgabe einzusenden. Wer hätte zu dem Zeitpunkt ahnen können, dass diese Themen im Jahr 2020 derart gewichtig werden sollten? Nicht allein, dass im Angesicht der Corona-Pandemie Spekulationen über eine weltweite Verschwörung immer lauter wurden: In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie vieles, das wir für selbstverständlich hielten, auseinanderbrach. Freiheit oder Sicherheit, diese Frage stellt sich dieses Jahr so deutlich wie seit langer Zeit nicht mehr, und während der gesellschaftliche Zusammenhalt an einer Stelle wächst, tun sich an anderer Stelle tiefe Gräben auf.

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Leselust/Lesefrust? Tagebuch eines anonymen Staplers

von Jan Hemmerich

Leselust/ Lesefrust, oder: Tagebuch eines anonymen Staplers

Bücher verursachen gelegentlich Stress. Insbesondere, wenn sie ungelesen sind.

Ungelesene Bücher sind Rudeltiere. Zumindest bei mir stapeln sie sich auf allen möglichen, freien Flächen und werden nicht weniger. Sie stapeln sich meistens nicht in dunklen Ecken, wo man sowieso nie hinschaut, sondern sind ganz präsent: auf dem Nachttisch zum Beispiel.

Der letzte Blick vorm Einschlafen macht einem also direkt bewusst: Du lässt nach! Wann willst Du das bitte alles lesen? Stress.

Morgens, wenn der Lesestapel in das goldene Licht des neuen Tages getaucht ist und irgendwie weniger furchteinflößend aussieht, flackert kurz Euphorie auf:

Heute! Heute wird mal direkt ein Buch beendet und ein neues mindestens bis zur Hälfte gelesen.

Beim Frühstück ist es dann unpassend, da will man zwar lesen, aber auch keine Marmelade auf die Buchseiten schmieren. Und sowieso: Lieber sich auf eine Sache voll und ganz konzentrieren. Der Weg zur Arbeit bietet sich zwar an, aber ein Buch beschwert den Rucksack doch empfindlich und eigentlich ist es im Zug auch viel zu laut.

Bei der Arbeit: Perfekt! Die Kollegin am Schreibtisch nebenan wird nur schnell misstrauisch. „Liest Du etwa?“ „Ja, ist Fachlektüre.“ „Wann schrieb Raymond Chandler über die Werbebranche?“ „…“

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Einkaufwagen

von Urs Jenni

Ich ahnte es schon, als ich aus dem Fenster schaute und die schwarzen Gewitterwolken sah. Es braute sich etwas zusammen. Klar, manchmal sollte man den meteorologischen Vorzeichen nicht so viel Bedeutung beimessen. Bezogen auf Kunden hilft es wenig, den Himmel zu beobachten. Und dennoch.

Jedenfalls kamen mir die beiden alten Damen sehr ungelegen. Ich war gerade in einem Gespräch mit einer äußerst ansehnlichen Frau. Das konnten die alten Damen zwar sehen, aber es schien sie nicht zu stören. Jedenfalls drängte sich die erste der beiden genau zwischen meine Gesprächspartnerin und mich, während ihr die andere Rückendeckung gab.

“Sie, wo gibt es denn in ihrem Laden Einkaufkörbchen?”, fragte die erste. Und die zweite schob nach: “Oder vielleicht Einkaufswagen?”

Ich lächelte sie freundlich an. Bekanntlich ist lächeln die netteste Art, die Zähne zu zeigen.

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Leselust/Lesefrust

Lesefrust – Wann lege ich Bücher weg bzw. lese sie nie zu Ende?

von I. J. Melodia

Grundsätzlich möchte ich jedes Buch zu Ende lesen. So handhabe ich es auch mit anderen Medien wie Filme oder Musikalben. Zum einen weiß man nie, ob nicht doch noch die große Überraschung, Wendung oder Passage kommt, die einen fesselt. Zum anderen gehört es in gewisser Weise dazu, kreativen Geistern eine Chance zu geben, und ist, zumindest für mich, eine Form der Höflichkeit oder des Respekts gegenüber dem/der Kunstschaffenden. Es wird ein Gedanke, eine Idee dahinter gewesen sein.    

Und ja, es ist manchmal eine Quälerei und ja, es gab selbstverständlich auch bei mir schon Ausnahmen.

Ich werde bewusst darauf verzichten Namen oder Titel als Beispiele zu nennen. Auch hier geht es um die Achtung vor der Kunst. Und ein kleines Bisschen um die Angst vor etlichen Hasstiraden.

Die (Haupt)gründe, weshalb man ein Buch weglegt, dürften 5 sein:

  1. Thema/Genre
  2. Handlungsstrang
  3. Schreibstil
  4. Charaktere
  5. Subjektives Empfinden
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