KeinVerlag.de-Autorin Sunny Schwanbeck ist außerdem eine ganze Menge mehr.

16 Fragen an Sunny Schwanbeck

Sunny Schwanbeck ist KeinVerlag-Autorin, Slammerin, Straßenmusikerin, regelmäßige Teilnehmerin der ZUSAMMEN/KUNST! und Jugendbeauftragte für den KeinVerlag e.V. Über sich selbst schreibt sie:

KeinVerlag.de-Autorin Sunny Schwanbeck ist außerdem eine ganze Menge mehr.

KeinVerlag.de-Autorin Sunny Schwanbeck ist außerdem eine ganze Menge mehr.

„Ich bin dick, Feministin, Schütze, Düsseldorferin, Schwester, Freundin, Autorin, Sängerin, Bierliebhaberin, Langschläferin, zu Blöd für Mathe, zu faul fürs Joggen, Träumerin, Hobbypsychologin, Makeupaddict, blasser als Kalkstein, 1,78 m groß, bunt, aber immer schwarz angezogen, gegen die AfD, für Pinguine, blauäugig, aber nicht naiv; ich bin eine Herausforderung, laut, Konzertgängerin, selbstbewusst, Polaroidfotoknipserin, zu alt für mein Alter, zu müde (immer), kreativ, bisexuell, manchmal auch sensibel, ich bin Jugendvertreterin, Netflix-Abonnentin, Schnulzenfilmheulerin, Walking-Dead-Boykottiererin, Disneyfan, Kartoffelgegnerin, Abiturientin, chaotisch, aber liebevoll, Pausenclown und Sunny Schwanbeck.“

16 Fragen an Sunny Schwanbeck

Sunny, wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?

Ich stehe jeden Morgen um 5:00 Uhr auf, wobei ich meistens Opfer der Schlummertaste werde und mich dann gegen 5:30 Uhr aus meiner Decke schäle.

Meistens versuche ich gegen 23:00 Uhr einzuschlafen, in der Game-of-Thrones-Saison, oder wenn gerade mal wieder eine neue Weltraumdoku auf Netflix läuft, könnte es jedoch vorkommen, dass ich diesen Vorsatz schnell vergesse.

Wenn Sie eine Zeitung aufschlagen, lesen Sie zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?

Wenn ich eine Zeitung lese, schaue ich mir zuerst das Fernsehprogramm an und freue mich, dass ich die Drohungen bezüglich der DVBT-Abschaltung nicht ernst genug nahm und deshalb diesen ganzen Entertainmentmüll nicht mehr täglich entgegengeschmissen bekomme. (Vor allem jede Wiederholung von How I met your mother.)

„Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russel) Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Ich kann mich damit nicht identifizieren, mir ist das Glück der Anderen (vorzugsweise das meiner Liebsten) wesentlich wichtiger als mein eigenes — ich würde mich aber nicht als anspruchslos bezeichnen. Ist es nicht auch ein Anspruch, diese Welt ein bisschen weniger scheiße zu hinterlassen als man sie vorfand? Und schaffen wir das nicht vor allem durch glückliche Menschen, die gemeinsam in Frieden leben und aufeinander aufpassen?

Welche Genüsse gönnen Sie sich im Alltag? Welche sind für Sie besonders?

Ich gönne mir im Alltag Zigaretten, zu viel Kaffee, neue Makeup-Produkte, die ich eigentlich nicht brauche, noch ein schwarzes Kleid, Spotifylisten während meiner Bahnfahrt und Mamas selbst gebackene Kuchen.

Besonders genieße ich es aber tatsächlich allein in meinem Zimmer zu sitzen, ein Jeff-Rosenstock-Album zu hören und mir mein Gesicht anzupinseln, obwohl ich nicht ausgehe, und dann aufgebretzelt auf meinem Bett zu sitzen, während ich laut mitsinge.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen, wie hat es Ihnen gefallen?

„Zerstörte Seelen“ von Chris Mooney, ein Thriller. Gefiel mir gut, beschuf mir jedoch auch den ein oder anderen Albtraum und bestärkte mich darin, dass ich nach jedem Thriller erstmal ein Märchen lesen sollte.

Wer oder was inspiriert Sie und weshalb?

Kimya Dawson, weil ihre Songtexte ehrlich sind, man im Hintergrund ihr Telefon klingeln hört, ihre Tochter Panda heißt, sie den schönsten Afro trägt, den ich je gesehen habe, weil ein Zitat „I used to be dead but now I’m gay“ heißt und es sich immer so anfühlt, als würde ich mit einer alten Freundin reden, wenn ich ihr zuhöre. (Leute ernsthaft, hört sie euch an.)

Wie wichtig finden Sie Kontakte zu anderen Künstlern?

Superwichtig! Ich merke immer öfter, wie gut es einfach tut, die Werke anderer Künstler auf sich wirken zu lassen und sie wertzuschätzen, mal den Blickwinkel für ein altbekanntes Thema zu wechseln. Gemeinsam ein Bierchen trinken und Nudelsalat essen hilft aber auch.

Wie würden Sie Ihren typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?

Tatsächlich habe ich die meisten Ideen unter der Dusche, dann kommt es schon mal vor, dass ich noch mit Schaum in den Haaren in mein Zimmer renne, einen Stift suche und diese eine Zeile sofort aufschreiben muss. Meistens finde ich dann gerade diese Zeile einen Tag später schon wieder nicht so geil und verwerfe das ganze wieder. (Deshalb habe ich wahrscheinlich auch 73 angefangene Textdokumente auf meinem Laptop.) Aber nein, ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich sehr oft Notizbücher geschenkt kriege, in denen ich dann meine kreativen Ergüsse festhalten soll, jedoch bin ich eher der unromantische Laptop-Typ der jedes Dokument dreimal abspeichert.

Wie viel Zeit wenden Sie täglich für Ihre Kunst auf?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Tage, da sitze ich den ganzen Tag auf meinem Bett, tippe mir die Finger wund und höre ein Album nach dem nächsten, rauche zu viel und esse zu wenig und dann gibt es Tage, da möchte ich meine Zeit für andere Dinge nutzen, oder habe das Gefühl, dass ich erst ein paar neue Eindrücke sammeln muss, ein neues Thema finden muss, bevor ich wieder schreiben kann. (Letztgenanntes passiert deutlich öfter.)

Wie gehen Sie mit Schaffenskrisen um, Sunny?

Eigentlich ziemlich entspannt, ich hab in den letzten Jahren gemerkt, dass ich nicht schreibe um „abzuliefern“ oder um eine Quote zu erfüllen. Ich schreibe, weil ich etwas zu sagen habe, etwas mitteilen möchte, und wenn es nun mal gerade nichts zu sagen gibt, dann tut Schweigen auch ganz gut: Man kann sich sammeln, Gedanken neu sortieren und irgendwann kribbelt es einem schon wieder in den Fingern.

Verfolgen Sie klare Ziele in Ihrer Kunst?

Als ich sechs Jahre alt war, hab ich meiner Mutter gesagt, dass ich gerne in einem Wohnmobil durch die Welt fahren und dabei Bücher schreiben würde. Ich hab bislang noch keinen Führerschein, aber es wäre natürlich schön, wenn man irgendwann von dem, was man denkt und sagt, leben könnte. Aktuell versuche ich mich auf einigen Poetry Slams und Open-Mic-Sessions zu beweisen — bisher klappt es ganz gut und wer weiß, vielleicht chille ich ja irgendwann mit Jan Philipp Zymny und Julia Engelmann im Backstagebereich und esse Chips.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Tod?

Nicht wirklich, aber eins ist mir klar: Wenn ich dann irgendwann meinen Astralkörper verlasse und wo-auch-immer hinfliege, möchte ich, dass meine Beerdigung eine Party wird. Ich möchte, dass schöne Musik läuft, es reichlich Schnaps und Kuchen gibt, meine Liebsten tanzen und singen und niemand soll schwarz tragen, das hab schließlich den Großteil meines Lebens ich getan.

Woran glauben Sie und warum (nicht)?

Ich glaube an das Schicksal, alles passiert aus irgend einem Grund, auch wenn dieser uns nicht immer direkt klar ist. Ich stell mir das dann immer so ein bisschen vor wie bei Domino Day, nur ohne holländische Moderatoren: Alles fällt nach und nach und sieht total chaotisch aus, aber am Ende ergibt es ein klares Bild und alle sagen „Ooooh!“ oder „Aaaah!“ Ich bin der Meinung, dass das alles hier einen Sinn hat und wir das schon irgendwie richtig machen werden.

Wann haben Sie sich das letzte Mal geschämt und wofür?

Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, mir ist auch eher selten etwas wirklich peinlich, aber bei meiner Abschlussfeier (ich musste etwas vor meiner ganzen Schule singen) war ich so aufgeregt, dass ich bestimmt drei Gläser Sekt hintereinander gestürzt habe und durch die viele Kohlensäure dann ins Mikrofon rülpsen musste. DAS war peinlich. (Mittlerweile ist es aber auch eine sehr witzige Geschichte und der Grund, aus dem ich keinen Sekt mehr trinke.)

Wie wichtig sind Ihnen Manieren im Alltag?

Was heißt denn Manieren im Alltag? In einer Gesellschaft, in der an jeder Ecke ein Burgerladen steht und das Mit-den-Händen-Essen zu einer neuen Art des kulinarischen Zelebrierens wird, geht es mir im Alltag eher darum, dass man Respekt voreinander hat, versucht, nicht immer alles bewerten oder kommentieren zu müssen, aufeinander Acht gibt und einfach versucht ein Arschloch weniger auf diesem Planeten zu sein. Z.B. die Tür aufhalten, wenn jemand zum Bus sprintet; anstatt sein Gegenüber zu mustern vielleicht einfach mal zu lächeln; Leute vorlassen an der Kasse, wenn sie nur einen Gegenstand haben und du deinen Wocheneinkauf machst; der Bedienung Trinkgeld geben, auch wenn sie für deinen Geschmack zu oft gefragt hat, ob sie euch noch was Gutes tun kann. Seid einfach nett zueinander, Punkt.

Welche Ihrer Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten?

Ich würde von mir sagen, dass ich eine gute Freundin bin. Ich höre gerne zu, fange an den richtigen Stellen an mich mit aufzuregen, bin ehrlich, auch wenn das manchmal bedeutet, dass das nicht das ist, was du hören willst. Wenn du mich anrufst, geh ich ran. Wenn du nicht alleine sein kannst, komm ich vorbei. Wenn es Mittwoch ist und dein Tag scheiße war, dann geh ich mit dir einen trinken. Wenn du deinen Hintern nicht hoch kriegst, helfe ich dir auf und wenn jemand dir an den Hintern geht, dann kriegt er eine Klatsche von mir.

Ich versuche immer meinen Freunden zu zeigen, wie wertvoll sie sind, wie wichtig und wie verdammt glücklich ich bin, dass sie in meinem Leben sind, denn ganz im Ernst:

Wenn du auf einem Kunstevent auftrittst, in einer fremden Stadt, du aufgeregt auf der Bühne stehst und Angst hast deinen Text zu vergessen, was gibt es da Schöneres als ein Paar vertraute Gesichter in der ersten Reihe, die dir zulächeln, dir danach auf die Schulter klopfen und lauter als alle anderen im Saal klatschen.

Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Sunny!

Ausgewählte Veröffentlichungen von Sunny Schwanbeck

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