Vanilleeis

von Isabella Spektor

Vorgetragen von Daniela Heuer anlässlich der „Zusammen/Kunst 2016

Auf dem Weg ins Wohnzimmer stieß ich mich ungeschickt am Türrahmen, dann gleich nochmal am Stuhl. Ich hatte gerade mein erstes Buch beendet und war schnell ins Arbeitszimmer geeilt, um das Manuskript zu holen, das ich, ordentlich wie ich bin, akkurat auf meinem Schreibtisch aus Nussbaumholz abgelegt hatte. Der Titel des Buches war: „1978“, mein Geburtsjahr. Ich wollte nicht um den heißen Brei herumreden, schließlich ging es in dem Buch ganz klar um mich, das Kind, das zu einem jungen Erwachsenen heranwuchs, um schließlich immer älter zu werden; dem Alkohol, den ich lange nicht mehr so genüsslich trank wie früher, und den Frauen zu verfallen, obschon es meistens Prostituierte waren. Meistens oder so gut wie immer.

Hoffnungslos war ich daran gebunden, mir mein eigenes Schicksal selbst aufzuerlegen und so hatte ich den einzigen Freund, den ich je besaß, zu mir nach Hause eingeladen, der nun in erwartungsvoller Haltung, weil er sich eine Tasse Schwarztee mit Milch und ohne Zucker sowie eine Ladung Kekse von mir versprach, auf meiner extravaganten Bambuscouch ruhte.
„Beinahe wie ein volltrunkener Bettler, der sich einen Tropfen Motoröl verspricht, wenn er nur lange genug an Tankstellen herumlungert.“

Mein verlegenes Grinsen war unverkennbar und Erik, so hieß mein Freund, erkannte es sofort: „Willst du mir wieder was verkaufen? Vielleicht Briefmarken oder Münzen?“ „Nein, nein.“, sprudelte ich und wehrte ganz erschrocken den Vorwurf mit meinen goldbehangenen Händen – ich stand auf Ringe aus Gold – ab. „Gut.“, sagte Erik. „Aber..“, fing ich an. „Aber da ist doch noch was.“, und ich zog völlig abrupt das Bündel Blätter – 239 bedruckte Seiten – hinter meinem verschwitzten Rücken hervor. „Hier hast du was, bitte, bitte lies dir das mal durch, du wirst stauen, es wird dir gefallen, ich versprech’s!“, bettelte ich. Wollte mich gerade hinknien, als der weltbeste Freund seine Arme ausstreckte, einen sanften Seufzer ausstieß und das Manuskript entgegennahm.

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Christian Jeblick

Christian JeblickChristian Jeblick, Gründungsmitglied des Vereines im Jahre 2004 und seit diesem Zeitpunkt als Kassenwart des Vereines KeinVerlag e.V. Vorstandsmitglied, wird bei der diesjährigen Neuwahl des Vorstandes am 08.10.2016 in Rheinberg nicht wieder kandidieren. Die Mitglieder des Vereines bedauern diesen Entschluss sehr.

Christian Jeblick wurde 1972 in Ingolstadt geboren. Nach Abitur und Grundwehrdienst begann er eine Ausbildung bei der Deutschen Rentenversicherung und erwarb den Abschluss Diplomverwaltungswirt (FH). Seit 1996 arbeitet er bei diesem Institut als Programmierer in der EDV – Abteilung.

Seit dem 18.05.2004 ist Christian Jeblick unter dem Nick „CeJay bei keinverlag.de als Autor angemeldet. Am 09.09. 2004 gründete er zusammen mit zehn weiteren Autoren den Verein KeinVerlag e.V.

Heute schreibt CeJay weiterhin gelegentlich Gedichte, auch im Auftrag für besondere Anlässe. Seit 2005 ist er außerdem aktives Mitglied der Bayerischen Volksbühne der VHS OLM. Und gehört oft zur Stammbesetzung bei Theaterstücken und Sketchen, die er oft selbst schreibt. Christian Jeblick pflegt die Homepage des Theaters und unterstützt den  Theaterleiter bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Christian Jeblick war leidenschaftlicher Langstreckenläufer und hat an mehreren Marathons teilgenommen, – heute fährt er ebenso leidenschaftlich gerne Rad.

Seit 2008 ist CeJay verheiratet und lebt mit seiner Ehefrau in Forstern, östlich von München gelegen.

„Ich war immer gerne Teil von KeinVerlag und fühle mich mit der Plattform und dem Verein sehr verbunden“, schrieb er in seiner Mail an den Vorstand, mit der er seinen Rückzug aus dem aktiven Vereinsgeschäft ankündigte. „ Dabei denke ich aber auch ein bisschen wehmütig an die sehr schöne Anfangszeit zurück, wo die Anzahl der Autoren noch überschaubar war und man sich auf den Treffen noch ge- und erkannt hat. Und auch an die spontanen Lesungen am Abend denke ich noch unheimlich gerne zurück. Nachdem ich mich aber inzwischen ziemlich rar gemacht habe, weiß ich gar nicht, ob ich heute auf einem KV-Treffen noch erkannt würde.“

Durch meine langjährige Zusammenarbeit im Vorstand des Vereines habe ich Christian Jeblick als stets liebenswürdigen und kooperativen Vorstandskollegen kennen gelernt, der auch in Krisenzeiten als ruhender Pol des Vorstandes oft für Ausgleich und Verständigung gesorgt hat und bei allen Diskussionen immer die Interessen des Vereines und somit seiner Mitglieder als Maxime behauptete.

Als Kassenwart arbeitete er stets korrekt und schnell. Da dem Kassenwart auch die Aufgabe zukommt, die Mitgliedsbeiträge abzubuchen und gegebenenfalls einzufordern, erfordert diese Position ein besonderes Maß an Geduld und Ausdauer, Sensibilität und oft auch Humor. Gerade diese Charakterstärken habe ich an Christian Jeblick oft bewundert.

Mit dem Rückzug von CeJay aus der aktiven Vorstandsarbeit geht so gesehen eine Ära zu Ende, das letzte Gründungsmitglied des Vereines verlässt den Vorstand. Der Verein selbst hat sich geändert in den ganzen Jahren, gesellschaftliche Veränderungen und interne Modifikationen haben dazu geführt, dass der Verein sich strukturell verändert hat und weiter verändern muss. Christian Jeblick wird uns und mir in diesen Zeiten sehr fehlen.

Ich bin mir absolut sicher, dass ich Christian immer auf einem Treffen erkennen und wiedererkennen würde, eingeladen und willkommen ist er immer. Auf ein solches Wiedersehen freue ich mich sehr.

 

Andreas Hempler

-Vorsitzender-

KeinVerlag e.V.

 

 

Pokémon Go… Away, Please

keinejugend.devon Alina Becker

Neulich bin ich über ein wildes Bisasam gestolpert. Einfach so, im Garten. Ich traute meinen Augen kaum. Wollte ich doch eigentlich nur ein bisschen durchs Zwiebelbeet harken, da schlägt plötzlich ein ungemein großes, grünes Zwiebelexemplar mit messerscharfen Ranken nach mir! Und das Schlimmste daran: Ich hatte mein Smartphone nicht dabei und mein Pokéballgürtel gähnte vor Leere. Was tat ich also? Natürlich ergriff ich die Flucht und ließ somit die einmalige Gelegenheit sausen, in meinem Gemüsebeet ein Bisasam zu fangen. Aber noch nicht genug: Noch am selben Tag passierte mir das gleiche beim Bummel durch die Stadt mit einem Schwarm pickender und bettelnder fetter Taubsis. Okay, die Biester sind eher eine Landplage. Aber trotzdem!

Das Allerschlimmste an der Sache übrigens: Ich besitze überhaupt kein internetfähiges Smartphone! Das heißt, wenn ich plötzlich im hohen Gras über ein Rattfratz, ein Knofensa oder doch ein Abra (die Mistviecher, die immer sofort verschwinden, wenn man sie nicht mindestens mit Meisterbällen bewirft!) stolpern sollte, könnte ich sie trotzdem nur manuell fangen – und wer schleppt schon ständig einen Beutel voller Pokébälle mit sich herum?

Anfang der Neunziger geboren bin ich natürlich der Inbegriff der „Generation Pokémon“ (die übrigens etwa gleichzeitig mit der „Generation Harry Potter“ wie ein Pilz (oder ein Duflor) aus dem Boden schoss und bei mir keinesfalls miteinander konkurriert, sondern in Symbiose und ewig-nostalgischer Kindheitserinnerung fortlebt, egal ob zwischen mittlerweile verblichenen Buchseiten immer dicker werdender Zaubereiwälzer oder auf dem winzigen, flackernden Bildschirms meines völlig aus der Mode gekommenen Gameboy Colors. Gonna catch’em all!). Ich verbrachte meine Grundschulzeit als Dorfkind zu gleichen Teilen beim Spielen auf der Straße und im Wald, an der Seite von Harry, Ron und Hermine durch Hogwarts streifend und knöpfchendrückend auf der Jagd nach kleinen Mini-Monstern. Bis heute bin ich nicht nur imstande, plötzlich auftauchende Todesser mit einem kleinen Schnippen meines Zauberstabes („Expelliarmus!“) zu entwaffnen, sondern gleichzeitig die ersten 151 Pokémon in korrekter Pokédex-Reihenfolge wiederzugeben. (Seien wir doch mal ehrlich: Es geht einfach nichts über die erste Generation!)

Mit dem Fortschritt der Technik verlor ich allerdings meine Pokégeisterung. Während sich Harry brav Jahr für Jahr im selben Look in die Buchhandlungen stahl, forderte jede neue Pokémongeneration nicht nur einen erheblicheren finanziellen Aufwand durch die Kosten des Spiels selbst, sondern auch immer wieder die Anschaffung einer neuen Konsole. Für mich als sparsam und nachhaltig erzogene Jugendliche nicht nur taschengeldbedingt sondern auch prinzipiell nicht tragbar. Die Pokémon waren für mich in ihrer Ursprungsversion stehen geblieben: Edition Rot, Blau und Gelb. Selbst die Anime-Serie habe ich nie weiter verfolgt als bis Staffel drei.

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Zusammen/Kunst 2016

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