Archiv der Kategorie: Lyrik

Bastian Kienitz – Composition (Rolf-Bossert-Gedächtnispreis 2022)

Heute haben wir die große Ehre, euch den Gewinner des diesjährigen Rolf-Bossert-Gedächnispreises zu präsentieren: Bastian Kienitz! Den aufmerksamen Lesern unter euch mag aufgefallen sein, dass wir auf den 16 Seiten bereits mehrere Beiträge von Bastian Kienitz gepostet haben. Heute einer der Gewinnertexte, ein Blankosonett.

Composition
(nach dem gleichnamigen Bild von Hans Hartung)

im Wind, der durch die leeren Weizenfelder
streift auch dein Tag und ändert sein Gewand
was heute ist, das gibt es morgen nicht mehr
und alles schläft im roten Wald und lebt

wie Geister, die ich rief zur Dunkelstunde
entflieht dem Boden letzter Winterschnee
noch heute schneit es helle Nachtleuchtfarben
als refraktärer Bruch im Farbgemisch

hier heult ein Wolf in dieser Todeszone
und wirft sein Schattengrau durchs Waldgestrüpp
des Birkenwaldes, welcher flüsterleise

das Märchen einer neuen Zeit erzählt
als wäre Unberührtes dort gewesen
das seine Hände still in Unschuld wäscht


Lyrik, Haiku, Aphorismen und mehr von Bastian Kienitz findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: wa bash.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Bastian Kienitz.

16 Fragen an Diana Jahr

16 Fragen an Diana Jahr, Foto: Heidi Bordach

Vor einigen Wochen duften wir euch bereits mit einem Gedicht ihr Talent und literarisches Feingefühl präsentieren. Heute folgen die traditionellen 16 Fragen und wir freuen uns sehr darauf, euch die Lyriker und Lektorin Diana Jahr (geb. 1970 in Dortmund) vorstellen zu dürfen. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Westerwald:

Ich atme Worte – liebe das Spiel mit ihnen, jongliere, schmecke und rieche sie.
Der Natur bin ich sehr zugetan sowie der Musik und vielen zwischenmenschlichen Nuancen – all das findet sich in meinen Texten.

Inzwischen kann ich mich über diverse literarische Veröffentlichungen in Anthologien und Lyrikzeitschriften (z. B. Federwelt, Dichtungsring, Wortschau) sowie die Mitherausgabe der Lyrikanthologie „Lichtbruch“ freuen.
2019 gewann ich den ersten Preis beim „Kempener Literaturwettbewerb“ in der Kategorie Lyrik.
Im gleichen Jahr erschien mein erstes eigenes Buch „und nachts wandern die fledermäuse aus“ sowie 2022 mein zweites „ein volvo voller orangen“, beide im Schillo-Verlag.

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L’étranger – Kamele

Am Zeitenende
wirds einen fetten Stau geben
vor dem Haupteingang:

Kameltreiber stehen dann
mit den Kamelen der Reichen
vor dem Nadelöhr am Himmelstor.

Drinnen sitzen schon die,
die nicht gewartet haben
– Dauerkartenbesitzer.

Die Kamele warten …


Lyrik von L’étranger findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorenprofil: Létranger.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Philipp L’étranger.

Sigune Schnabel – Sprache, dieses dünne Land

Das Meer ist meiner Fährte gefolgt
mit Zungen, die erschüttern,
und ich: ein Tier,
das aus der Sprache fällt
in luftgetränkte Welten.

Du stellst dich Wort für Wort
auf Deich und Wege.
Ich greife nur gelegentlich ein Stück.
Mal bist du Wind,
mal Schnee,
mal nur in meinem Kopf,
dem engen.
Um Längen bist du mir voraus.
Ich trinke die Erinnerung
und sinke in das Salz
der Wellen.


Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Sigune Schnabel findet ihr u. a. auf ihrer Homepage sowie auf ihrem KeinVerlag-Autorprofil: unangepasste.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Sigune Schnabel.