Archiv der Kategorie: Lyrik

I. J. Melodia – Prophezeiung

Hommage an William Blake

Am Abgrund steht Ahania, blickt auf Leere
über den Atlantik, nach West-Nord-Ost-Süd
Von Winden und Winter zernagt das Gewand
Krebse gesammelt, in Schalen gelegt
eine einfachere Welt für die Augen

Die Schlange in den Sternen trachtet der Sonne
aus Wolken und Feuer fallen Albions Kinder
Der ewige Mann in der Höhle zählt Würmer
faltet die Zeit am blutenden Horizont
Hammer und Amboss gebären nur noch Stille

Der Abstand zwischen Leben und Ewigkeit
ist der Schatten einer Eiche ohne Blüten
Welk das Zentrum glänzender Erkenntnis
zieht schwarze Kreise auf weißem Grund
zerfallener Visionen einer besseren Welt


Lyrik, Haiku und mehr von I. J. Melodia findet ihr auf seiner Homepage und auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: Melodia.

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Bastian Kienitz – [zwischen deinen Lippen]

zwischen deinen Lippen stößt mein Fischfleisch
ständig mit der Schnauze zwischen Schalen wie
sie klappen ganz in Rosa und das Meer das Was-
ser scheint sich zu reiben auf den glatten

Oberflächen abzurollen [nennt sich Gleitfilm]
projiziert auf eine Leinwand und dann abgespult
schwarz/weiß:

Du, eine Tochter des Meeres in ein Netz gehüllt
und Ich, der nach einer bunten Perle tauchte,
pilgerte und dich fand.


Lyrik, Haiku, Aphorismen und mehr von Bastian Kienitz findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: wa bash.

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Sigune Schnabel - Im Blau der Stille

Sigune Schnabel – Im Blau der Stille

Unter schwarzem Himmel
gehen wir über Felder,
barfuß.

Wir vergessen,
wie neben uns die Jahre sterben.

Aus deiner Hand wächst
blauer Mohn
bis zu meinem Schulterblatt hinauf,
so weit,
dass er bald alle Worte überrankt,

und Blätter fallen
von der Sprache.


Übrigens ist Sigune Schnabels neuer Gedichtband „Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht“ Anfang Mai erschienen. Die Texte sind traurig, nachdenklich, (sprach)intensiv und stets wunderschön! Es lohnt sich!

Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Sigune Schnabel findet ihr auf ihrer Homepage sowie auf ihrem KeinVerlag-Autorprofil: unangepasste.

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Gasmakse

Julian Morgenbesser – Gasmaskenball

ohne Gewissen
im gebrochenen Nacken
hänge ich
von jenem
Laternenmast

scheine auf
meine Sackgasse
und flicke
den Mondkrater
zwischen uns
mit Goldfäden
fremder Schätze

in Wahrheit bin ich
Adams Apfelbaum
gediehen und gestorben
in den Feldern
von Verdun


Jede Menge Texte und Lyrik von Julian Morgenbesser findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorenprofil: nautilus.