Archiv der Kategorie: Lyrik

Sigune Schnabel - Im Blau der Stille

Sigune Schnabel – Im Blau der Stille

Unter schwarzem Himmel
gehen wir über Felder,
barfuß.

Wir vergessen,
wie neben uns die Jahre sterben.

Aus deiner Hand wächst
blauer Mohn
bis zu meinem Schulterblatt hinauf,
so weit,
dass er bald alle Worte überrankt,

und Blätter fallen
von der Sprache.


Übrigens ist Sigune Schnabels neuer Gedichtband „Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht“ Anfang Mai erschienen. Die Texte sind traurig, nachdenklich, (sprach)intensiv und stets wunderschön! Es lohnt sich!

Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Sigune Schnabel findet ihr auf ihrer Homepage sowie auf ihrem KeinVerlag-Autorprofil: unangepasste.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Sigune Schnabel.

Gasmakse

Julian Morgenbesser – Gasmaskenball

ohne Gewissen
im gebrochenen Nacken
hänge ich
von jenem
Laternenmast

scheine auf
meine Sackgasse
und flicke
den Mondkrater
zwischen uns
mit Goldfäden
fremder Schätze

in Wahrheit bin ich
Adams Apfelbaum
gediehen und gestorben
in den Feldern
von Verdun


Jede Menge Texte und Lyrik von Julian Morgenbesser findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorenprofil: nautilus.

Philipp Schaab – Nebel, Nebel

Nebel, Nebel, Talabgründe
Abendrot romantikschwer,
Wogen, Dämpfe, Wolkenmeer
Steigen lautlos mit den Winden,
Lassen Berg und Wald verschwinden,
Zwielichtschatten kriecht daher.

Lässt das Land in grau verblassen,
Äußerliche Welt vergeht.
Ort, um den sich alles dreht,
Plötzlich düster und verlassen,
Vage Schemen, Geistgrimassen,
Spuk im Dunst vorüberweht.

Nebel, Nebel bricht die Grenze,
Außen-, Innen-, Unterwelt,
Chaos, das zusammenfällt,
Mummenschanz und Geistertänze,
Masken, Hörner, Teufelsschwänze
Huschen durch das Nebelfeld.

Bilder, Bilder, Traumsymbole,
In der Tiefe einst versenkt,
Lang versteckt und eingeschränkt,
Nebel, Dämpfe, Fumarole,
Schwefel, Hitze, Aerosole,
Furor, der nach oben drängt.

Urflut aus dem Reich dahinter,
Nebel, Nebel, der dich treibt,
Abbild, das dir haften bleibt,
Stille, Stille, Nebelwinter,
Der mit Fingern wie ein Blinder
Seine Botschaft auf dich schreibt.

Wehe, wehe, Sehnsuchtsferne
In der Nebeleinsamkeit,
Weltall und Unendlichkeit,
Wehe, wehe, ferne Sterne,
Auf die Reise gingst du gerne
Doch der Weg ist viel zu weit.

Nebel, Nebel, Sehnen, Sehnen,
Sehnsuchtsferne, Sehnsuchtsgrund,
Zauberkuss vom Märchenmund
Zaubert Vollmondsee mit Schwänen,
Träumen, Träumen, Wähnen, Wähnen
Über dem Verhängnisschlund.


Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Philipp Schaab findet ihr auf seiner Homepage: Gewitterdämmerung sowie auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: HerrDerSchädel.

16 Fragen an Julian Morgenbesser

nautilus
16 Fragen an Julian Morgenbesser

Julian Morgenbesser wird 1988 in Österreich geboren. Mit 17 Jahren entdeckt er das kreative Schreiben für sich, das von nun an sein Leben bereichern wird. Er schreibt in einer klar strukturierten Sprache, bewegt sich zwischen prosaischen Gedichten und nahezu hermetisch abgeriegelt anmutenden Bildern.

Es wird erkennbar, welch hohen Stellenwert das schriftliche Dokumentieren, in lyrischer Form, für seine psychische Konstitution, einen gesunden Reflexionsprozess, hat. In seinen Texten finden sich kurze, pointierte Momentaufnahmen, Empfindungen die mehr abdecken, als die gewöhnliche Klaviatur der Gefühle es zu verdeutlichen vermag. Ungefilterte Schilderungen an der Schnittstelle zwischen Existenzängsten und Durchbrüchen, der verzweifelte Versuch sich in eine Grauzone zu retten.

Der Autor arbeitet und lebt als Buchhändler in Wien. Auf dem Autorenforum www.keinverlag.de veröffentlicht er unter dem Pseudonym „nautilus“.

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16 Fragen an Philipp Schaab

16 Fragen an Philipp Schaab

Philipp Schaab wurde 1984 in einer beschaulichen Kleinstadt an der hessischen Bergstraße geboren und lebt heute irgendwo im sagenumwobenen Odenwald. Er entwickelte in seiner Jugend eine Vorliebe für unheimliche Geschichten und düstere Poesie. Im Februar 2015 erschien mit „Gewitterdämmerung. Gedichte über Welt- und Sonnenuntergänge“ sein erster eigener Gedichtband. Der Erzählband „Der süße Duft der Kobralilie“ erschien im Mai 2016.

Während seines Studiums (Religionswissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte, Geographie) sammelte er Erfahrungen als Redakteur der Studentenzeitschrift „La Réwistance“. Unter dem Pseudonym „DerHerrSchädel“ veröffentlicht er Texte im Autorenforum www.keinverlag.de .

In seiner höchst interessanten Dissertation mit dem Titel „Götter, Ahnen, Blut und Boden? Die Konstruktion ethnischer Identität im gegenwärtigen slawischen Neuheidentum in Polen“ setzt er sich mit Nationalismus und slawisch-neuheidnischer Religiosität in Polen auseinander.

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