Schlagwort-Archive: Christiane Portele

Christiane Portele – Malaika

Manche Tage sind wie wilde Strudel. Ich spüre den Sog, der mich in einen schwarzen Schlund hinabzieht. Ich versuche, dagegen anzukämpfen, doch ich bin wie gelähmt. Meine Glieder verweigern mir den Dienst. Ich weiß, wenn es mir nicht gelingt, dem Sog zu entkommen, dann ist es aus mit mir. Dann werde ich verschluckt. Verschluckt von meiner Trauer.

Noch habe ich nicht aufgegeben. Doch ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte. Der Schmerz presst mir die Luft aus den Lungen, raubt mir den Atem.

Ich bin so unendlich müde. Ich sehne mich so sehr nach Schlaf. Doch jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich Malaika vor mir, mein Engelchen, meine kleine Elfe, die mich mit ihren großen Rehaugen anschaut. So viel Sehnsucht nach Leben im Blick. So viel Vertrauen zu mir, ihrer Mama. Und ich kann nichts tun, als ihre Hand zu halten und sie zu begleiten.

Ich saß bei ihr, bis sie ihren letzten Atemzug tat. Und noch viel länger. Ich wollte ihre Hand nicht loslassen. Es fühlte sich so an, wie wenn mir mit ihrer Hand auch mein Herz entrissen würde

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Christiane Portele – Die Hitze

Schon seit Tagen stülpte sich die Hitze über die Stadt wie eine Käseglocke. Die stickige, feuchte Luft klebte an der jungen Frau wie eine zweite Haut. Sie hatte das Gefühl, in dieser Wärme zu zerfließen wie eine Wachskerze. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und ihre Haare kringelten sich in der Feuchtigkeit. Sie hasste es, wenn ihre Haare sich lockten! Trotzdem sie ihre Haare in einem Pferdeschwanz nach oben gebunden hatte, schwitzte sie so stark, dass der Schweiß ihr in kleinen Rinnsalen den Nacken hinunterfloss und den oberen Rand ihres Tops tränkte.

Die junge Frau saß in dem kleinen Café außerhalb des Einkaufszentrums auf der Terrasse mit Blick auf den kleinen Park. Sie hatte gehofft, dass hier oben vielleicht ein kleiner Windhauch zu spüren wäre, der die schwüle Hitze etwas erträglicher machte. Stattdessen hatte sie das Gefühl gegen eine Wand aus wabernder Wärme anzuatmen. Es fiel ihr schwer, die heiße Luft in ihre Lungen zu saugen.

Sie beobachtete die beleibte Frau ein Tischchen weiter, die, leicht vornübergebeugt, auf ihren Kaffee pustete. Interessiert sah sie zu, wie ein besonders schwerer Schweißtropfen auf der Oberlippe der Beobachteten hing. Gleich tropft er in den Kaffee, dachte sie, gleichermaßen angeekelt wie fasziniert. Mit jedem Wölben der Lippe, mit jedem erneuten Pusten, zitterte der Tropfen und bebte, doch die Oberflächenspannung hielt erstaunlich lange, bevor er sich von der Haut der Dame löste und in den Kaffee plumpste, wo er sich mit der Milch, die sich in der Hitze nicht richtig hatte schäumen lassen, vermischte, und seine Existenz als eigenständiger Schweißtropfen aufgab. Ein Schaudern überlief die junge Frau, dessen sie sich nicht erwehren konnte.

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16 Fragen an Christiane Portele

16 Fragen an Christiane Portele

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Christiane Portele:

Ich heiße Christiane Portele, bin Mutter von 5 Kindern, Ehefrau und Lehrerin für die Fächer Deutsch, Englisch und Psychologie.

Als mich vor ca. 4 Jahren ein Freund bat, sein neues Buch Korrektur zu lesen, hat mir das erstens unheimlich Spaß gemacht und zweitens in mir den Impuls ausgelöst, selbst ein Buch zu schreiben. Dann habe ich Gefallen an Kurzgeschichten und Gedichten gefunden.

Mittlerweile wurden 2 Kurzgeschichten (Hoffnung, Die letzte Schlacht von Schertva) und 2 Gedichte (Erwachsen werden, Für den Frieden) von mir in Anthologien bzw. Literaturmagazinen veröffentlicht. Ich liebe Musik hören und machen, Kochen (am liebsten vegetarisch), Wasser und Wald, Blumen und Tiere.

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