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Sigune Schnabel – Sprache, dieses dünne Land

Das Meer ist meiner Fährte gefolgt
mit Zungen, die erschüttern,
und ich: ein Tier,
das aus der Sprache fällt
in luftgetränkte Welten.

Du stellst dich Wort für Wort
auf Deich und Wege.
Ich greife nur gelegentlich ein Stück.
Mal bist du Wind,
mal Schnee,
mal nur in meinem Kopf,
dem engen.
Um Längen bist du mir voraus.
Ich trinke die Erinnerung
und sinke in das Salz
der Wellen.


Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Sigune Schnabel findet ihr u. a. auf ihrer Homepage sowie auf ihrem KeinVerlag-Autorprofil: unangepasste.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Sigune Schnabel.

Sigune Schnabel – Kälte

Deine Sprache bereitet sich
auf den Winter vor.
Trocken hängen Worte
in der Luft,
dass ihre Silben
nicht gefrieren,
wenn der Nachtfrost kommt.

Noch einmal lege ich
auf deine Schulterblätter
die Hände,
gerötet vom Herbst.

Schon bald verfangen sich
die Laute
in der Landschaft
wie Schnee.


Sigune Schnabel ist eine mehrfach preisgekrönte Lyrikerin. Ihr aktueller Gedichtband „Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht“ erschien Anfang Mai. Davor erschienen bereits die Bände „Apfeltage regnen“ (2017) und „Spuren vergessener Zweige“ (2019).

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Sigune Schnabel - Im Blau der Stille

Sigune Schnabel – Im Blau der Stille

Unter schwarzem Himmel
gehen wir über Felder,
barfuß.

Wir vergessen,
wie neben uns die Jahre sterben.

Aus deiner Hand wächst
blauer Mohn
bis zu meinem Schulterblatt hinauf,
so weit,
dass er bald alle Worte überrankt,

und Blätter fallen
von der Sprache.


Übrigens ist Sigune Schnabels neuer Gedichtband „Auf Zimmer drei liegt die Sehnsucht“ Anfang Mai erschienen. Die Texte sind traurig, nachdenklich, (sprach)intensiv und stets wunderschön! Es lohnt sich!

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Sigune Schnabel – Vom Kai zieht Salzluft

Vom Kai zieht Salzluft

in mein Haar,
und Tage tragen graue Kleider,
gehen stumm an mir vorbei.
Nur Kinder sammeln noch Kastanien.
Zwischen Häuserfluchten
spielen Möwen.

Die Geduld
hat blaue Ränder.
Sieben Meilen fällt mein Wort,
zerschellt im Wind.

Du fügst dich in die Landschaft
wie ein Fels,
und wenn ich spreche,
breche ich
an dir
als Welle.

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