Nach nichts

von Lena Knaudt

Der Tag hat mit Augenringen und einem relativ blutarmen Gesicht angefangen – nach dem ersten Blick in den Spiegel hatte ich schon keine Lust mehr, wach zu sein. Aber manchmal schläft man nachts kaum und schlecht und wacht morgens zu früh und zu sehr auf, ohne dass man etwas drehen oder stattdessen reißen könnte. Dann hat man das Gefühl, der Magen sei beleidigt wegen nächtlicher Eskapaden, keinen Hunger und sich aber am Abend zuvor schon auf den Nussjogurt am Morgen gefreut. Den man also isst mit dem Hintergedanken [halbfreudig], sich vielleicht übergeben zu müssen danach. Was natürlich nicht passiert und natürlich ist das gut. Dafür hat man sich aber fast mit besagtem Jogurt übergossen, als einem plötzlich eingefallen ist, dass die Dateien, die man heute braucht und deren Erstellung fast zwei komplette Arbeitstage in Anspruch genommen hat, auf einem USB-Stick sind, der sich deswegen nicht mit dem automatisierten Handgriff erreichen lässt, weil man gerade eine andere Hose trägt und die mit dem USB-Stick gestern gedankenlos und unüberprüft in die Waschmaschine geworfen hat und man rennt in den Waschkeller, betet halb, während man fahrig das Kondenswasser von den Anschlüssen tupft und hat das Glücksgefühl aber schon irgendwie erwartet, das dann einsetzt, weil alles noch da ist trotz Vollwaschmittel hurra. Schräg ist der Tag aber nach wie vor und läuft noch immer nicht richtig an, als sei auch der Schreck nur ein halbherziger und aus einem abstrakten Pflichtbewusstsein entkrochener gewesen; ein einziger langgestreckter Morgen kündigt sich an, der übergangslos und unerwartet in eine hoffentlich hoffentlich schlafhaltige Nacht münden wird, nachdem man stundenlang zwar alles Mögliche erledigt, aber insgeheim, überschattend und vor allem doch nur gewartet hat auf wasauchimmer, ein Aufwachen vielleicht oder ein Frühstück im Bett.