16 Fragen an Leander Linnhoff

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Leander Linnhoff:

16 Fragen an Leander Linnhoff

Leander Linnhoff lebt und arbeitet im Rheinland.
Er schreibt zeitgenössische Lyrik mit starkem Küsten- und Naturbezug. In seinen ruhigen, atmosphärischen Gedichten ist Landschaft nie Kulisse, sondern Resonanzraum menschlicher Erfahrung. Besonders die Küstengebiete Westflanders sowie das Rheinland sind seine literarische Heimat.
Seine Texte entstehen aus einem bewusst verlangsamten Blick auf die Welt und vertrauen auf die Kraft des Ungesagten.
Als ehemaliger Schauspieler liest er mit einer markanten, getragenen Stimme im Raum Köln–Bonn.

Veröffentlichungen im wissenschaftlichen Kontext sowie in literarischen Projekten und Zeitschriften der Phantastik.

  • 2004 „Podcasting in the EFL Classroom“, Heidelberger Universitätsverlag Winther
    • Teilzeithelden
    • Zunftblatt
    • Windgeflüster
    • Schattenwelten

Instagram: @seeglas_lyrik
Homepage: seeglas-lyrik.de

16 Fragen an Leander Linnhoff

  1. Wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?
    Morgens stehe ich früh auf, rechtzeitig für das erste Licht und die junge Luft des Tages. Ich bin kein Nachtvogel, aber auch die späten Stunden haben ihre Schönheit. Ich liebe das Leben im Rhythmus der Tageszeiten.
  2. Wenn Sie eine Zeitung aufschlagen, lesen Sie zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?
    Im Sport geht es meist im Gewinner und Verlierer. Das ist nicht meine Welt. Im Feuilleton finde ich Begegnung, Anregung und Ruhe.
  3. Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russel) Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
    Das Glück ist nicht gleichgültig. Es ist vergänglich. Das macht es kostbar, insbesondere, wenn es in der Begegnung mit anderen geteilt wird. Das gilt übrigens auch für Leid.
  4. Welche Genüsse gönnen Sie sich im Alltag? Welche sind für Sie besonders?
    Im Alltag gönne ich mir Zeiten der Ruhe, mit einem guten Buch im Sessel vor dem Kamin, einen Tee in der Kanne und einer Vinyl-Platte (zum Beispiel Iron & Wood) auf dem Player. Oder tiefe Gespräche mit interessanten Menschen, stille Momente in der Natur oder in der Stadt. Einem belgischen Bier – vor allem Brugse Zot, bin ich auch nicht abgeneigt.
    Besondere Momente sind die Zeiten in Flandern, wo ich weite und Horizont koste und Land und Menschen begegne.
  5. Welches Buch/Album haben Sie zuletzt gelesen/gehört, wie hat es Ihnen gefallen?
    Mein letztes Buch war der Krabbenfischer von Benjamin Wood. Eine große, ruhige Stimme. Eine tiefe und atmosphärische Erzählung von Beständigkeit. Ich fand das Buch sehr inspirierend.
    Musikalisch gehört Folk fest in den Kosmos von Seeglas: Iron & Wine, Nick Drake oder auch Kadril.
  6. Wer oder was inspiriert Sie und weshalb?
    Das Meer vor allem. Es ist beständig und wandelbar, zärtlich und unbarmherzig, vergänglich und ewig. Es ist die Welt des Dazwischen, in der ich mich auch heimisch fühle.
  7. Wie wichtig finden Sie Kontakte zu anderen Künstlern?
    Sehr wichtig. Ein Werk wächst im Austausch. Ein Mensch wächst an Begegnungen. Wir erkennen uns durch die Augen unseres Gegenübers.
  8. Wie würden Sie Ihren typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?
    Es gibt zwei Arten von Gedichten. Die, die drängen, und die, die leise wachsen. Meist entstehen sie aus einer Beobachtung, gewinnen Form im ersten Entwurf. Dann erfolgt Verdichtung, das erste Fließen des Textes wird zu einem tragfähigen Ganzen. Im letzten Schritt schleife ich Überflüssiges fort, denn ich vertrauen meinen Lesern. Es ist wie bei Seeglas, das von der Zeit geschliffen wird und dadurch in Schönheit wächst.
  9. Wie viel Zeit wenden Sie täglich für Ihre Kunst auf?
    Das lässt sich nicht beziffern. Denn der poetische Blick muss permanent wach sein. Sonst entgehen mir die kleinen Dinge, und die sind die wichtigen. Im Kleinen zeigt sich die ganze Schönheit des Großen.
  10. Wie gehen Sie mit Schaffenskrisen um?
    Die gab es. Sie sind hart. Und notwendig. Denn wenn sie vorüber sind, ist man meist künstlerisch gewachsen.
  11. Verfolgen Sie klare Ziele in Ihrer Kunst?
    Ich möchte teilen, was ich selbst gebraucht hätte. Man hat mir früher oft gesagt: „Seine ruhig! Gib Ruhe!“ Das mache ich jetzt. Ich schenke meine innere Ruhe weiter. Und ich gebe meiner Stimme Worte und den Worten Stimme. Ich sammle Augenblicke und Teile sie. Wenn ein Buch daraus wird, ist das natürlich toll.
  12. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Tod?
    Alles endet. Das finde ich tröstlich. Nach dem Tod meines Vaters, meiner Mutter und Schwester finde ich die Vorstellung, dass wir irgendwann gehen, nicht tragisch. Denn etwas bleibt. In den Begegnungen und in den Menschen, die wir lieben.
  13. Woran glauben Sie und warum (nicht)?
    Ich glaube daran, dass wir ein Teil der Natur sind. Wir sind mit ihr in Beziehung, in allem, was wir tun. Ich glaube an echte Begegnungen mit Menschen, die echt bleiben. Ich glaube, dass wir alle als Teil dieser Welt eine unveräußerliche Würde in uns tragen.
  14. Wann haben Sie sich das letzte Mal geschämt und warum?
    Ehrlich gesagt schäme ich mich selten. Deshalb finde ich die Frage sehr spannend. Das letzte Mal geschämt habe ich mich, als meine Frau vor mir auf die Idee gekommen ist, einem Obdachlosen ein Essen auszugeben. Ich war stolz auf sie und dachte gleichzeitig: Ich hätte selbst so reagieren sollen.
  15. Wie wichtig sind Ihnen Manieren im Alltag?
    Manieren bedeuten, dass ich die Würde meines Gegenübers respektiere und ihn als Menschen unter Menschen wahrnehme. Sie sind existenziell.
  16. Welche Ihre Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten?
    Wahrhaftigkeit. Ich habe lange gebraucht, um die Masken abzulegen. Erst dann habe ich festgestellt, dass Wahrheit nicht einsam macht, sondern die echten, kostbaren Menschen um dich herum verdichtet.

Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Leander Linnhoff!

Mehr über Leander Linnhoff und seine Kunst gibt es auf seiner Homepage.

Hier gelangt ihr zum Archiv der 16 Fragen mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben.

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