Archiv des Autors: Sechzehn Seiten

Wort der Woche #110

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

Diese Sammlung möchten wir euch nicht länger vorenthalten und präsentieren daher die Rubrik „Wort der Woche“!

Viel Spaß beim mitraten!

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Minze – Eingriff

Er sieht mich nicht an, als ich dastehe, zumindest scheint es so. Eigentlich sehe ich ihn direkt an und er ist überrascht und schaut vorbei. Ich habe mich bereits auf Slip und BH ausgezogen, die Sprechstundenhilfe sagte, ich könne den BH auch wegmachen, da kommt er schon. Ich bin davon ausgegangen, ich würde nur von der Sprechstundenhilfe in das Zimmer gebracht, auf dem Schild steht Chirurgie, aber sie bleibt da, sie hat noch eine zweite dabei, ich vermute, die zweite ist in Ausbildung, denn ihr wird alles Mögliche erklärt, auch von ihm.

Als wir die Entfernung des Muttermals und des roten Punktes am Po vereinbart haben, habe ich mir vorgestellt, wir sind zu zweit.

Er öffnet die Tür in einer Vorstellung, die unterbrochen wird. Ja, um welche Hautpartien geht es noch einmal, sagt er. Dabei ist er total aufmerksam, ich bin mir sicher, ich fühl, dass er weiß, worum es geht und es trifft auch sofort auf sein Verständnis, seine Aufmerksamkeit, als ich ihn frage, ob ich den BH ausziehen soll, er meint, wir bekommen es so hin und wechselt den Blick vom Muttermal zu mir, zu meinem Gesicht, er bittet mich, mich hinzulegen, ich bin ein bisschen beunruhigt, er sagt dann, wie er das machen wird und dass desinfizieren und lokale Anästhesie vorangehen. Er schaut mich weiter an, ich aber wende mich ab. Ich höre ihn, finden die beiden Sprechstundenhilfen laut. Sie machen Geräusche, suchen das Geschirr oder besprechen die Materialien, die Ältere erklärt der Jüngeren, wo was liegt. Ich, die mit der ganzen Aufmerksamkeit bereit sein wollte für das, was er mir erklärt, bin abgelenkt. Ich spüre die Verbindung zwischen meinem Körper, seinem nahenden Eingriff und meiner Angst oder Vorfreude wenig – noch, doch dann passiert schon etwas. Ein Kribbeln, ich tippe an meinen Oberschenkeln, leise, kann mich nicht so bewusst hinlegen, so eine ganze Weile in Unterwäsche direkt vor ihm, wie er neben mir sitzt. Mich zu mir zu verhalten, kann ich kaum, das ist es, warum ich wegsehe, ich bin in einer neutralen Position.

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Wort der Woche #109

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

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Bastian Kienitz – Die Artistin

(nach dem gleichnamigen Bild von Ernst Ludwig Kirchner)

dein Blick streift durch die Zimmerleere
der Einsamkeit, ganz ohne Publikum
durchschneidest du die grüne Lichttapete
und Schnittmenge, die einen Anker sucht

verortet zwischen Raum und schrägen Fluchten
begradigt mittlerweile durch das Nichts
das feinen Staub ansammelt und dort liegt
wo es vergessen wird, im Ungenutzten…

jetzt träumst du dich in einen Augenblick
dahinter, wo der Wein von letzter Nacht
am alten Platz in deinem Zimmer steht

nur deine Katze streckt bereits verschlafen
die Glieder aus und legt sich wieder hin:
ich tröste dich – mein Stern – und das Gedicht


Lyrik, Haiku, Aphorismen und mehr von Bastian Kienitz findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: wa bash.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Bastian Kienitz.

Wort des Monats – Februar 2023

Jeden Monat möchten wir euch das beste, interessanteste, lustigste, bekloppteste Wort der Woche wählen lassen.

Ihr habt nun bis zum 31.03.2023 Zeit!

Wort des Monats – Februar 2023

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Falls ihr die besagten Wörter nochmals nachlesen möchtet:

Schlafittchen, goutieren, Karōshi, impertinent