Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.
Viel Spaß beim Kennenlernen von Fabian Wollgast:

Fabian Wollgast, geboren 1990 in Berlin, Vater zweier Kinder und studierter Journalist. Lebte meine Vorliebe für das geschriebene Wort zunächst in Kommunikationsberufen und als Ghostwriter aus. Schreibe seit über zehn Jahren auch Gedichte und Kurzgeschichten und veröffentliche diese seit Sommer 2025.
Die Feder führe ich selbst, nicht KI-unterstützt, sondern alles handgemacht, mit Geduld und Spucke. Dabei befasse ich mich vordergründig mit dem Konflikt aus Beständigkeit und Vergänglichkeit im Themenkomplex Tod.Trauer.Liebe.Leben. Die Texte beschreiben Chancen, bevor wir sie verpassen und konstruieren Verbindungen dies- und jenseits roter Linien.
Mit dieser Gratwanderung zwischen Trüb- und Frohsinn 2025 bei einem Lyrikwettbewerb zum Tag des Friedhofs gewonnen und anlässlich der Veranstaltung in einer Lesung und Ausstellung veröffentlicht. Es folgten Gedichte und Texte in Literatur-Magazinen wie KKL und der Experimenta, in Anthologien verschiedener Verlage sowie @lyrischgutdrauf auf Instagram.
16 Fragen an Fabian Wollgast
- Wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?
Ich habe zwei kleine Kinder. Die bestimmen den Rhythmus. Mein „Wecker“ klingelt unabhängig vom Wochentag meist 6.30 Uhr, abends gehe ich daher selten später als 23 Uhr zu Bett. - Wenn Sie eine Zeitung aufschlagen, lesen Sie zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?
Ehrlich gesagt: Sport. Fußball ist meine Leidenschaft seit ich denken kann und behauptet den ersten Platz, Lyrik folgt auf Platz 2. Ich konsumiere Medien aber ohnehin weitestgehend online und da „überschlagen“ sich die Genres wie die Schlagzeilen. - „Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russel) Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
Anspruchsvoll woran? An sich? An andere? An den Lebensstandard? Glück kann für jede und jeden etwas anderes sein, niemand ist jedoch frei davon, nach irgendeiner Form von Seligkeit zu streben. Gleichgültig kann das Glück daher nie sein. Dann wäre es ja auch das Unglück. Und Menschen, denen das Unglück gleichgültig ist, bin ich noch nicht begegnet; völlig unabhängig davon wie anspruchsvoll sie waren. - Welche Genüsse gönnen Sie sich im Alltag? Welche sind für Sie besonders?
Ich bin generell ein Genussmensch und fröne auch dem ein oder anderen Laster. Damit habe ich meinen Frieden. Ein positiver Einfluss auf die Lebensdauer ist nicht das einzig sinnvolle Streben im Leben, v.a. dann nicht, wenn es dogmatisch wird und die verbrachte Zeit beeinträchtigt. Genüsse machen das Leben lebenswert. Ich esse gern, was schmeckt und bin einem guten Döner nie abgeneigt, einem mittelguten ehrlicherweise auch nicht. - Welches Buch/Album haben Sie zuletzt gelesen/gehört, wie hat es Ihnen gefallen?
Unpopulär beantwortet: Ich schreibe gern, bin aber erstaunlich lesefaul. Über Gedichte und Kurzgeschichten komme ich selten hinaus. Ich habe nur wenige Bücher wirklich gelesen. Das war als Abiturient schon so und zieht sich bis heute durch. Ein Fun Fact über mich: Im Deutsch-Abitur habe ich mich von fünf möglichen Prüfungsvarianten aus dem Mut der Naivität heraus nur auf eine Komponente vorbereitet. Und das war ausgerechnet „Analyse & Interpretation von Lyrik“. Kam dran, Glück gehabt.
Musik höre ich stets und ständig. Sie ist mir ein wichtiger Ausgleich und nicht selten auch Inspirationsquelle. Ein aktuelles Album habe ich nicht; von meiner Favoritenliste lässt sich das „The Legend“-Album von Bob Marley jedoch auch auf lange Sicht nicht verdrängen. - Wer oder was inspiriert Sie und weshalb?
Inspiration finde ich überall – in jeder Alltagssituation, in der Begegnung mit Menschen; mit solchen, die mir wichtig sind und jenen, die ich nur vorbeilaufen sehe. In der Natur, in den Nachrichten, überall verlangen Gedanken danach in Verse gepackt und sortiert zu werden. Besonders inspirierend sind Ansichten von Menschen an den biologischen Rändern des Lebens, denn sie sind besonders ehrlich. Deshalb inspiriert mich die Weltsicht von Kindern und Senioren besonders und ich glaube von beiden Altersgruppen können wir „dazwischen“ viel lernen. - Wie wichtig finden Sie Kontakte zu anderen Künstlern?
Unerlässlich. Kunst kann im Vakuum nicht wachsen. Dafür braucht es den Austausch. Und gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden entsteht Neues. Ich genieße die gegenseitige Inspiration und Motivation gerade in der einander zugewandten „Lyrik-Bubble“ sehr. - Wie würden Sie Ihren typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?
Das geht bei mir sehr schnell. Ich suche nie und finde häufig. Die meisten Gedanken kommen so unerwartet wie ein Plot Twist. Und wenn es in meinem Kopf ist, „ververst“ es sich mitunter wie von allein. Mein Brustlöser ist die Gelassenheit. Ich strebe nicht nach Ideen, aber lass sie zu. Nur schnell muss ich dann sein, weshalb die meisten Fetzen direkt im Handy notiert werden und dort darauf warten, bei Gelegenheit poliert zu werden. - Wie viel Zeit wenden Sie täglich für Ihre Kunst auf?
Das ist unterschiedlich und hängt auch an gesundheitlichen und familienorganisatorischen Faktoren. Wenn ich kann, gern 1-2 Stunden am Tag. Das geht aber nicht immer, muss es auch nicht. In gewisser Weise ist die Kunst eh allgegenwärtig. Viele Gedichte entstehen völlig beiläufig, liegen dann eine Weile rum und erblicken das Licht der Welt, wenn ich die Zeit dazu finde, sie in Form zu bringen. Aber findet ein Gedanke seinen Weg in meinen Kopf, wird er flink notiert, das passiert täglich und reicht manchmal schon. - Wie gehen Sie mit Schaffenskrisen um?
Das kenne ich glücklicherweise nicht. In dem Wort „Schaffenskrise“ steckt „Schaffen“. Mir ist wichtig, dass ich meine Lyrik in erster Linie für mich verfolge. Ich verarbeite, ich sortiere. Wenn Befindlichkeiten zu Papier gebracht sind, teile ich sie gern und freue mich wahnsinnig über die Resonanz. Ich genieße es, zu berühren und anzuregen. Das ist aber keine Notwendigkeit. Es ist vielmehr der zweite Schritt nach dem ersten. Solange ich diese Reihenfolge beibehalte, empfinde ich keinen Druck etwas zu „schaffen“ und demnach auch keine Krise. - Verfolgen Sie klare Ziele in Ihrer Kunst?
Mir ist ein niedrigschwelliger Zugang zu meinen Texten wichtig. Deshalb erwog ich mal, ein Wort umzuschreiben, das nicht allgemein bekannt ist. Aber für mich drückte dieses Wort eine besondere Verbindung zu meinem Opa aus. Während ich nach Synonymen suchte, erkannte ich, dass es mir genau darum geht und ich dafür dieses Wort brauche. Passenderweise hat dieses Stück bis heute die größte Resonanz hervorgerufen. Ich möchte schreiben, was ich wirklich fühle und nicht nach der Facon Dritter nur um der Sichtbarkeit oder kommerzieller Interessen Willen. Mein Ziel war und bleibt, meine Empfindungen einzufangen, festzuhalten und so darzustellen, dass ich sie für immer greifen kann. Das erlebe ich als große Erleichterung. Und großen Erfolg. - Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Tod?
Ja, absolut. Und ich empfinde die Auseinandersetzung damit als bereichernd. Die Endlichkeit ist ein wiederkehrendes Motiv vieler meiner Texte. Das Leben wird kostbar, wenn man es in dem Bewusstsein lebt, dass nichts für immer ist. - Woran glauben Sie und warum (nicht)?
Ich glaube daran, dass man seine eigene Lebenswelt positiv beeinflussen kann. Wenn ich mit mir im Reinen bin, kann ich auch mit anderen Menschen verbunden sein. Wer liebt, erfährt auch Liebe. Insofern glaube ich auch an Karma und ausgleichende Gerechtigkeit. Schlechten Leuten geht’s immer gut? Das glaub ich nicht und selbst wenn, glücklicher sind sie damit nicht zwangsläufig. Und darum geht es. Mir zumindest. - Wann haben Sie sich das letzte Mal geschämt und warum?
Persönlich stehe ich nicht so gern im Mittelpunkt. Was die Kunst anbelangt, war der Schritt in die Öffentlichkeit für mich eine einzige therapeutische Schamübung. Inzwischen komme ich voran, aber es ist mühselig. Mein Gesicht, meine Stimme, meine Person stelle ich nicht gern ins Rampenlicht. Mit zunehmendem Interesse von außen wird diese Gratwanderung herausfordernder. Ich hoffe, mich da weiterzuentwickeln. Menschlich bin ich mit mir inzwischen sehr verbunden und schäme mich selten. Ich bin ein überlegter Charakter und wenig impulsiv, wodurch ich kaum in die Verlegenheit komme, zu bereuen. Fremdscham begegnet mir allerdings häufiger. - Wie wichtig sind Ihnen Manieren im Alltag?
Manieren zeugen von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung. Wenn wir einander achten und alle behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen und Orte hinterlassen, wie wir sie vorfinden wollen, geht’s uns allen besser. Deshalb bringen wir das auch Kindern bei. Lasst uns Erwachsene das mal auch machen. Ignoranz und Verrohung führen eine Gesellschaft über kurz oder lang ins Verderben. Hatten wir schon, brauchen wir nicht nochmal. - Welche Ihre Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten?
Loyalität, Sensibilität, Authentizität. Ich bin außerdem wenig kompliziert und unprätentiös. Und ich bringe Menschen gern (und erfolgreich) zum Lachen. Wenig in der Kunst, umso mehr in der Begegnung.
Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Fabian Wollgast!
Mehr über Fabian Wollgast und seine Kunst gibt es auf seinem Instagram-Account.
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