16 Fragen an Philipp Schaab

16 Fragen an Philipp Schaab

Philipp Schaab wurde 1984 in einer beschaulichen Kleinstadt an der hessischen Bergstraße geboren und lebt heute irgendwo im sagenumwobenen Odenwald. Er entwickelte in seiner Jugend eine Vorliebe für unheimliche Geschichten und düstere Poesie. Im Februar 2015 erschien mit „Gewitterdämmerung. Gedichte über Welt- und Sonnenuntergänge“ sein erster eigener Gedichtband. Der Erzählband „Der süße Duft der Kobralilie“ erschien im Mai 2016.

Während seines Studiums (Religionswissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte, Geographie) sammelte er Erfahrungen als Redakteur der Studentenzeitschrift „La Réwistance“. Unter dem Pseudonym „DerHerrSchädel“ veröffentlicht er Texte im Autorenforum www.keinverlag.de .

In seiner höchst interessanten Dissertation mit dem Titel „Götter, Ahnen, Blut und Boden? Die Konstruktion ethnischer Identität im gegenwärtigen slawischen Neuheidentum in Polen“ setzt er sich mit Nationalismus und slawisch-neuheidnischer Religiosität in Polen auseinander.

16 Fragen an Philipp Schaab

  1. Wann stehen Sie morgens auf, wann gehen Sie abends schlafen?
    Ich stehe meistens kurz vor 8:00 auf und gehe gegen 24:00 ins Bett.
  2. Wenn Sie eine Zeitung aufschlagen, lesen Sie zuerst den Sportteil oder das Feuilleton?
    Ich bevorzuge Letzteres. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  3. Wirklich anspruchsvollen Menschen ist Glück gleichgültig, vor allem das der anderen.“ (Bertrand Russel) Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
    Klingt aus dem Zusammenhang gerissen seltsam. Da ich empfindlich auf atmosphärische Störungen reagiere, bin ich schon aus purem Eigennutz anderer Meinung. Das Unglück anderer Menschen deprimiert mich, also habe ich ein Eigeninteresse dran, dass sie zu ihrem Glück gelangen.
  4. Welche Genüsse gönnen Sie sich im Alltag? Welche sind für Sie besonders?
    Ich habe eine Schwäche für Schokolade. Ansonsten genieße ich es, mich einfach mal von allem auszuklinken, hinauszugehen und die Natur wahrzunehmen.
  5. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen, wie hat es Ihnen gefallen?
    Die „Geißel des Himmels“ von Ursula K. Le Guin. Ich war sehr begeistert und kann es jedem Leser phantastischer Literatur, der sich für psychologische und philosophische Fragestellungen interessiert, wärmstens empfehlen.
  6. Wer oder was inspiriert Sie und weshalb?
    Die Inspiration kommt von allen Seiten. Nicht selten sind es Texte von anderen Autoren, die mich zu einer Antwort herausfordern.
  7. Wie wichtig finden Sie Kontakte zu anderen Künstlern?
    Schätze ich sehr. Kontakt zu Gleichgesinnten ist wichtig. Man berät, hilft, unterstützt und im besten Fall freundschaftet man sich gegenseitig. Autoren können sonst leicht vereinsamen.
  8. Wie würden Sie Ihren typischen künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?
    Am Anfang steht eine Inspiration von außen, die mich in die richtige Stimmung versetzt, denn entstehen vor meinem geistigen Auge erste Bilder, die sich dann zu Sätzen und Versen weiterentwickeln. Bei Lyrik kommt es dann meist zur raschen Niederschrift. Bei Prosa entsteht zuerst eine Skizze, in der ich die Grundstruktur des Textes bis zum Ende grob entwerfe. Solange diese Struktur nicht steht, schreibe ich auch den Text nicht. Unter Umständen können Jahre zwischen Inspiration und endgültiger Niederschrift vergehen. Manchmal aber auch nur wenige Stunden oder Tage.
  9. Wie viel Zeit wenden Sie täglich für Ihre Kunst auf?
    Selten länger als eine Stunde und dann auch nicht täglich. Nur, wenn ich eine Geschichte schreibe, versuche ich täglich zu arbeiten. Aber manchmal schreibe ich auch Wochen oder Monate lang gar nichts.
  10. Wie gehen Sie mit Schaffenskrisen um?
    Da ich nicht von der Literatur lebe, rege ich mich darüber nicht so sehr auf. Ich weiß, dass meine Kreativität wiederkommt, auch wenn sie manchmal Pausen braucht oder einfach die Inspiration fehlt. Man kann Inspiration nicht erzwingen. Je weniger man sich Sorgen macht und darüber nachdenkt, desto freier ist der Kopf und desto schneller kehrt die Kreativität zurück. Ansonsten blockiert man sich nur.
  11. Verfolgen Sie klare Ziele in Ihrer Kunst?
    Mich selbst zu verwirklichen, meinen Empfindungen, Gedanken und Gefühlen Form zu verleihen und im besten Fall damit Mensch und Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Aber nur im besten Fall.
  12. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Tod?
    An ontologische Fragestellungen kommt niemand vorbei, also ja. Der Tod ist unsere einzige wirkliche Gewissheit, damit muss jeder Mensch leben lernen und die für ihn adäquate Antwort auf die damit verbundenen Fragen finden.
  13. Woran glauben Sie und warum (nicht)?
    Ich glaube, dass es eine Kraft im Universum gibt, die die Natur belebt, durchdringt und vorantreibt. Ich würde mich als Pantheisten bezeichnen. An einen persönlichen Gott oder an einen tieferen Sinn in der menschlichen Existenz glaube ich nicht. Unsere Existenz folgt dem Zyklus der Natur: Wir werden geboren und irgendwann sterben wir. Wie wir die Zeit, die wir haben, nutzen, müssen wir in Auseinandersetzung mit Mensch und Natur selbst entscheiden, für uns selbst und in Gemeinschaft mit den Anderen. Die Erde ist ein Tropfen im Ozean des Universums und spielt keine größere oder kleinere Rolle als jeder andere Planet. Den Glauben an einen Gott, der die Menschheit als Krone der Schöpfung ins Leben gerufen hat und ständig mit ihr interagiert, habe ich auf subjektiv-spiritueller Ebene noch nie nachvollziehen können. Daher lehne ich auch die teleologisch ausgerichtete biblische Geschichtsphilosophie ab. Weder glaube ich an ein jüngstes Gericht, noch an das ewige Leben oder an einen großen Plan, nach dem die Weltgeschichte abläuft. Im Großen wie im Kleinen vollzieht sich der Kreislauf von Werden und Vergehen, über das Danach oder Dahinter können wir nur spekulieren. Jeder Mensch muss selbst entscheiden, ob er das für notwendig hält.
  14. Wann haben Sie sich das letzte Mal geschämt und warum?
    Da habe ich mich wahrscheinlich fremdgeschämt. Das passiert mir häufiger.
  15. Wie wichtig sind Ihnen Manieren im Alltag?
    Ich bin kein Freund von strenger Etikette, aber ein gewisses Grundmaßs an Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Respekt machen das Leben einfach leichter.
  16. Welche Ihre Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten?
    Beharrlichkeit, Geduld und Bescheidenheit.

Vielen Dank für die Beantwortung der 16 Fragen, Herr Schaab!

Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Philipp Schaab findet ihr auf seiner Homepage: Gewitterdämmerung sowie auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: HerrDerSchädel.

Hier gelangen Sie zum Archiv der 16 Fragen mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben.

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