Archiv des Autors: Sechzehn Seiten

Christiane Portele – Spiel mit dem Feuer

„Ich bin hochsensibel!“
„Die Frage war, was ihre Stärken und Schwächen sind. Bitte präzisieren Sie ihre Antwort“, werde ich aufgefordert.
„Mein Antwort war sehr präzise“, erwidere ich, „meine ausgeprägte Empathiefähigkeit ist meine größte Stärke und meine größte Schwäche zugleich!“
„Das müssen Sie uns jetzt bitte erläutern!“, meldet sich die andere Stimme zum ersten Mal zu Wort.
„Ich kann mich in mein Gegenüber hineinfühlen, fühlen was er oder sie fühlt, empfinden, was er oder sie empfindet. Das erlaubt mir, Rückschlüsse darüber zu ziehen, wie mein Gegenüber möglicherweise reagieren wird. Gleichzeitig drängt mir diese Fähigkeit geradezu alle Emotionen meines Gegenübers auf, die es als sehr stark und überwältigend empfindet. Wenn ich mich dagegen nicht abgrenze, kann dies dazu führen, dass es mich am logischen Denken und damit an einer objektiven Analyse der Situation hindert. Das Abgrenzen muss rechtzeitig geschehen und erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Energie.“
„Beeindruckend“, lautet der etwas trockene Kommentar der ersten Stimme. Ich spüre, dass da eine Ironie mitschwingt, eine gewisse Ungläubigkeit. Dass sie sich nicht sicher ist, ob sie das glauben soll.

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Wort der Woche #169

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

Diese Sammlung möchten wir euch nicht länger vorenthalten und präsentieren daher die Rubrik „Wort der Woche“!

Viel Spaß beim mitraten!

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Diana Jahr – [auf der suche]

ich habe die schären nach deiner adresse gefragt
doch sie schwiegen
so fragte ich eine taube
sie flog einfach davon
dann fragte ich einen baum
und einen menschen
sie wussten nichts
seitdem bin ich auf der suche
vielleicht hast du dich versteckt
oder es gibt dich gar nicht
einer sagte mir mal
jemand suche
nach mir
hier bin ich
vielleicht
dass es mich gar nicht gibt


Lyrik und Prosa von Diana Jahr findet ihr auch auf ihrem Blog: verssprünge.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen an Diana Jahr.

Wort der Woche #168

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

Diese Sammlung möchten wir euch nicht länger vorenthalten und präsentieren daher die Rubrik „Wort der Woche“!

Viel Spaß beim mitraten!

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Bastian Kienitz – Die Garnele

noch tanzt du deinen tanz am grund des tiefseebodens noch
schälst du elegant chitin am eis entlang bis es zerfällt

dein fühler streift die blauen salzmeerwogen
doch nun ist alles bloß dass ich entblößt
im glutenteint die schale meiner selbst verlier

du meeresfrucht bist wirklich schön und ganz im nackt
auch tief in mir


Lyrik, Haiku, Aphorismen und mehr von Bastian Kienitz findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: wa bash.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Bastian Kienitz.