von Alina Becker
Ich habe ein Problem, und dieses Problem teile ich vermutlich mit sehr, sehr vielen Menschen. Es ist gesellschaftlich derart akzeptiert, dass einige Kulturen dafür gar einen eigenen Ausdruck kennen. Die Japaner nennen dieses Problem „Tsundoku“. Damit gemeint ist das Phänomen, „[e]in Buch ungelesen [zu] lassen, nachdem man es gekauft hat, und es zu den anderen ungelesenen Büchern [zu] legen.“[1] Mangels eines adäquaten deutschen Begriffs nenne ich mich wider aller politischen Korrektheit meist schlicht einen Büchermessie.
Nun gibt es sicherlich schlimmere Formen des zwanghaften Hortens. Die Tierhortung, beispielsweise. Bücher braucht man nicht zu füttern, sie koten und haaren nicht, und einen unangenehmen Geruch sondern sie nur ab, wenn man sie zu lange in abgegriffenen, muffigen Kartons auf einem Dachboden vor sich hin gammeln lässt. Und im Gegensatz zu Hardcore-Preppern stehen Bücherhorter nicht irgendwann vor dem Problem des abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums. Bücher altern und reifen mehr oder weniger gut, aber schimmlig werden sie nur im Feuchtigkeitsfall.
Weiterlesen
