Archiv der Kategorie: Lyrik

Corona und die Kleinkunst – vier ZUSAMMEN/KÜNSTLER im Magazin „zugetextet“

Mit dem Doppelthema „Weltstaat / Zersplitterung“ lud das Magazin „zugetextet“ letztes Jahr dazu ein, Gedichte und Prosatexte für die diesjährige Ausgabe einzusenden. Wer hätte zu dem Zeitpunkt ahnen können, dass diese Themen im Jahr 2020 derart gewichtig werden sollten? Nicht allein, dass im Angesicht der Corona-Pandemie Spekulationen über eine weltweite Verschwörung immer lauter wurden: In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie vieles, das wir für selbstverständlich hielten, auseinanderbrach. Freiheit oder Sicherheit, diese Frage stellt sich dieses Jahr so deutlich wie seit langer Zeit nicht mehr, und während der gesellschaftliche Zusammenhalt an einer Stelle wächst, tun sich an anderer Stelle tiefe Gräben auf.

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I. J. Melodia – Salzwasser

An salzigen Tagen
brandet das Meer an mein Fenster
Die Nächte schmecken dann ölig
nach Tran und Tang
 
Das Wogen der Gezeiten
fließt mir durch Mund wie Augen
Bildet ein Riff aus Korallen
um Knochen und Atem
schwarz wie die Tiefsee
 
Mit Kalkschalen in den Händen
Sand zwischen den Adern
und Fjorden im Herzen
treibe ich durch Jahreszeiten
den Blick zum Horizont gerichtet
 
An salzigen Tagen
bin ich durstiger denn je

I. J. Melodia

ZUSAMMEN/KUNST 2019!

In einer Woche ist es wieder so weit: die ZUSAMMEN/KUNST findet statt! Wir freuen uns wieder auf ein wunderbares Festivalwochenende mit Aufführung am Samstagabend, 14.09. Einlass: 17:00 Uhr; Eröffnung: 17:30.

Die Zusammen/Kunst ist eine Veranstaltung des KeinVerlag e.V. in Kooperation mit dem HDG Rheinberg und maßgeblicher Unterstützung von TEN SING Moers zur Förderung junger und junggebliebener Literatur und Kunst.

Die Idee: Musiker, Schauspieler und andere KünstlerInnen aus Rheinberg und Umland verwandeln Gedichte und Geschichten von AutorInnen des Literaturforums KeinVerlag.de in Lieder, Videos, Fotos, Theater- und andere Kunststücke.

Hier noch ein kleiner Videozusammenschnitt der letztjährigen Veranstaltung. So zu sagen als kleiner Appetitanreger.

Philipp Schaab – Betonecho

Da ist nichts außer Beton
An der Mauer zu lesen
Zwischen den Zeilen graben
Die Finger schreiben bis zerschürft
Die Nägel knacken abgenutzt
Aus klaffenden Lippen
Das Wort zu rotem Saft zerrinnt
Im Nebelnirgendwo das Klageecholied
Dumpfer Trommelfaustschläge
Wie die Gischt an den Klippen
Zwielichtgrauer Vergängnisbucht.

Da ist ist nichts Alles
Ist wund.

Philipp Schaab