Christiane Portele – Die Hitze

Schon seit Tagen stülpte sich die Hitze über die Stadt wie eine Käseglocke. Die stickige, feuchte Luft klebte an der jungen Frau wie eine zweite Haut. Sie hatte das Gefühl, in dieser Wärme zu zerfließen wie eine Wachskerze. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und ihre Haare kringelten sich in der Feuchtigkeit. Sie hasste es, wenn ihre Haare sich lockten! Trotzdem sie ihre Haare in einem Pferdeschwanz nach oben gebunden hatte, schwitzte sie so stark, dass der Schweiß ihr in kleinen Rinnsalen den Nacken hinunterfloss und den oberen Rand ihres Tops tränkte.

Die junge Frau saß in dem kleinen Café außerhalb des Einkaufszentrums auf der Terrasse mit Blick auf den kleinen Park. Sie hatte gehofft, dass hier oben vielleicht ein kleiner Windhauch zu spüren wäre, der die schwüle Hitze etwas erträglicher machte. Stattdessen hatte sie das Gefühl gegen eine Wand aus wabernder Wärme anzuatmen. Es fiel ihr schwer, die heiße Luft in ihre Lungen zu saugen.

Sie beobachtete die beleibte Frau ein Tischchen weiter, die, leicht vornübergebeugt, auf ihren Kaffee pustete. Interessiert sah sie zu, wie ein besonders schwerer Schweißtropfen auf der Oberlippe der Beobachteten hing. Gleich tropft er in den Kaffee, dachte sie, gleichermaßen angeekelt wie fasziniert. Mit jedem Wölben der Lippe, mit jedem erneuten Pusten, zitterte der Tropfen und bebte, doch die Oberflächenspannung hielt erstaunlich lange, bevor er sich von der Haut der Dame löste und in den Kaffee plumpste, wo er sich mit der Milch, die sich in der Hitze nicht richtig hatte schäumen lassen, vermischte, und seine Existenz als eigenständiger Schweißtropfen aufgab. Ein Schaudern überlief die junge Frau, dessen sie sich nicht erwehren konnte.

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Wort der Woche #128

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

Diese Sammlung möchten wir euch nicht länger vorenthalten und präsentieren daher die Rubrik „Wort der Woche“!

Viel Spaß beim mitraten!

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16 Fragen an Christiane Portele

16 Fragen an Christiane Portele

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Christiane Portele:

Ich heiße Christiane Portele, bin Mutter von 5 Kindern, Ehefrau und Lehrerin für die Fächer Deutsch, Englisch und Psychologie.

Als mich vor ca. 4 Jahren ein Freund bat, sein neues Buch Korrektur zu lesen, hat mir das erstens unheimlich Spaß gemacht und zweitens in mir den Impuls ausgelöst, selbst ein Buch zu schreiben. Dann habe ich Gefallen an Kurzgeschichten und Gedichten gefunden.

Mittlerweile wurden 2 Kurzgeschichten (Hoffnung, Die letzte Schlacht von Schertva) und 2 Gedichte (Erwachsen werden, Für den Frieden) von mir in Anthologien bzw. Literaturmagazinen veröffentlicht. Ich liebe Musik hören und machen, Kochen (am liebsten vegetarisch), Wasser und Wald, Blumen und Tiere.

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Wort der Woche #127

Bei unseren regelmäßigen Online-Teamsitzungen ist im Laufe der Zeit die Tradition entstanden, dass jemand aus der Runde ein seltenes, vergessenes und/oder nicht aus dem Deutschen stammendes Wort vorstellt. Die Anderen raten daraufhin, was der besagte Begriff bedeutet bzw. woher dieser stammt.

Diese Sammlung möchten wir euch nicht länger vorenthalten und präsentieren daher die Rubrik „Wort der Woche“!

Viel Spaß beim mitraten!

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Lars Döring – Wunderkind

Friedrich Spesmanns Geburt verlief derart reibungslos, dass seine Mutter erst die Wehen bekam, als sie ihren Sohn bereits in den Armen hielt. Die Finger bewegte er mit der Eleganz und Behändigkeit eines Kapellmeisters und in seinen entschlossenen Augen ließ er eine Gespanntheit des Verstandes aufblitzen, die sich unmittelbar auf seinen Körper übertrug. Er strampelte kaum mit den Beinen, vielmehr war es ein beherzter Gang, von dem er nicht erwarten konnte, ihn endlich in die Tat umzusetzen. Man hörte ihn nie schreien, stattdessen wirkte seine Stimme unaufdringlich und zurückhaltend, als entschuldige er sich im Vorfeld für die aufkommenden Unannehmlichkeiten, derer er sich durch seine Abhängigkeit von Mutter und Vater schämte. Er wurde nie wirklich älter, da er immer schon alt war, und geduldig wartete er auf den Tag, dass sein Leib in der Reife stand, die sein Geist längst besaß.

„Ihr Sohn“, verkündete der Arzt im Kreißsaal, „ist einzigartig. Ein solches Kind wird es weit bringen. Verschwenden Sie sein Talent nicht!“

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