Archiv der Kategorie: Leselust/Lesefrust

Leselust/Lesefrust? Tagebuch eines anonymen Staplers

von Jan Hemmerich

Leselust/ Lesefrust, oder: Tagebuch eines anonymen Staplers

Bücher verursachen gelegentlich Stress. Insbesondere, wenn sie ungelesen sind.

Ungelesene Bücher sind Rudeltiere. Zumindest bei mir stapeln sie sich auf allen möglichen, freien Flächen und werden nicht weniger. Sie stapeln sich meistens nicht in dunklen Ecken, wo man sowieso nie hinschaut, sondern sind ganz präsent: auf dem Nachttisch zum Beispiel.

Der letzte Blick vorm Einschlafen macht einem also direkt bewusst: Du lässt nach! Wann willst Du das bitte alles lesen? Stress.

Morgens, wenn der Lesestapel in das goldene Licht des neuen Tages getaucht ist und irgendwie weniger furchteinflößend aussieht, flackert kurz Euphorie auf:

Heute! Heute wird mal direkt ein Buch beendet und ein neues mindestens bis zur Hälfte gelesen.

Beim Frühstück ist es dann unpassend, da will man zwar lesen, aber auch keine Marmelade auf die Buchseiten schmieren. Und sowieso: Lieber sich auf eine Sache voll und ganz konzentrieren. Der Weg zur Arbeit bietet sich zwar an, aber ein Buch beschwert den Rucksack doch empfindlich und eigentlich ist es im Zug auch viel zu laut.

Bei der Arbeit: Perfekt! Die Kollegin am Schreibtisch nebenan wird nur schnell misstrauisch. „Liest Du etwa?“ „Ja, ist Fachlektüre.“ „Wann schrieb Raymond Chandler über die Werbebranche?“ „…“

Weiterlesen

Leselust oder Lesefrust? Die Ästhetik der Bücherregalogie

von Alina Becker

Die skurrilen Umstände bringen es mit sich, dass im Moment eine Menge Leute sehr viel Zeit haben, was sich in zahlreichen Ratgeberbeiträgen (ob im Fernsehen, in Zeitungen, als Blogbeiträge oder vollkommen ungewollt in Kettenbriefform über Muttis unzählige Whatsapp-Kontakte) niederschlägt. Nachdem ich sämtliche Ratschläge zur achtsamen und produktiven Nutzung der coronabedingten Isolationszeit umgesetzt, also den Frühjahrsputz hinter mich gebracht, eine dreistellige Anzahl Atemmasken genäht, eine neue Sprache gelernt, meinen Bikinibody perfektioniert, meinen Erstlingsroman vollendet und mich quer durch den Bocuse gekocht hatte, wurde es wieder Zeit für ein bisschen Realismus und Entspannung mit Youtube.

Entspannung? Wer hofft, beim hemmungslosen Passiv-Youtuben abschalten zu können, ohne ständig mit unterschwelligen Erinnerungen an seine eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden: Pustekuchen. Nach stundenlangem wildem Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Videos landete ich auf einem Clip, in dem ein nicht nennenswerter Influencer über ein nicht nennenswertes Thema schwadronierte – und zwar vor einem Bücherregal (IKEA, weiß, vermutlich Billy), das durch atemberaubende Ordnung, ja, man könnte fast sagen: Schönheit bestach. Ich brauchte eine Weile, bis mir klar wurde, was diesen (sicherlich ganz zufällig gewählten) Bücherhintergrund ausmachte: Der Hipster hatte seine Bücher nach Farben sortiert!

Weiterlesen

Leselust/Lesefrust

Lesefrust – Wann lege ich Bücher weg bzw. lese sie nie zu Ende?

von I.J. Melodia

Grundsätzlich möchte ich jedes Buch zu Ende lesen. So handhabe ich es auch mit anderen Medien wie Filme oder Musikalben. Zum einen weiß man nie, ob nicht doch noch die große Überraschung, Wendung oder Passage kommt, die einen fesselt. Zum anderen gehört es in gewisser Weise dazu, kreativen Geistern eine Chance zu geben, und ist, zumindest für mich, eine Form der Höflichkeit oder des Respekts gegenüber dem/der Kunstschaffenden. Es wird ein Gedanke, eine Idee dahinter gewesen sein.    

Und ja, es ist manchmal eine Quälerei und ja, es gab selbstverständlich auch bei mir schon Ausnahmen.

Ich werde bewusst darauf verzichten Namen oder Titel als Beispiele zu nennen. Auch hier geht es um die Achtung vor der Kunst. Und ein kleines Bisschen um die Angst vor etlichen Hasstiraden.

Die (Haupt)gründe, weshalb man ein Buch weglegt, dürften 5 sein:

  1. Thema/Genre
  2. Handlungsstrang
  3. Schreibstil
  4. Charaktere
  5. Subjektives Empfinden
Weiterlesen