Archiv der Kategorie: Prosa

16 Fragen an Arne H. Schneider

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Arne H. Schneider:

16 Fragen an Arne H. Schneider

Arne H. Schneider, geboren 1952 als ältester Sohn auf einem Bauernhof. Lebe in Freiburg. Studium Geodäsie und Fotogrammetrie; war u.a. Programmierer, Desktop Publisher und Fotograf. Während meiner Berufsjahre rückte das Schreiben mehr und mehr in den Vordergrund. Er begann mit Tagebuchaufzeichnungen sowie Gutenachtgeschichten. Als ich mich mit Philosophie, Astronomie, Mystik, Spiritualität und Mythologie auseinandersetzte, wuchs in mir der Drang, philosophisch-mystische Inhalte und Denkweisen im Prüfstein eines (eigenen) alltäglichen Erlebens in prosahafte Erzählungen zu übertragen.

Daraus entstand Aufbruch ins Ferne Land, mein erste Roman-Veröffentlichung. Fortsetzungen sind in Arbeit. Die einem privaten Kreis zugänglich gemachten Erzählungen SIE – Begegnungen zwischen Traum und Wirklichkeit, Wer den Weißen Drachen weckt … und ATMAN – Ich bin das!, sind Exzerpte aus dem Gesamtwerk.

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Jochen Pogrzeba – Ich bin Cator

Schon morgen um diese Zeit werde ich tot sein.

Ich schaue auf die alte Bahnhofsuhr, deren steife Zeiger devot ihren immer gleichen Dienst tun. Es ist kurz vor sieben an diesem Freitagmorgen. In wenigen Stunden werde ich in Kassel angekommen sein, und morgen werde ich nicht mehr leben. Ich sehe die anderen Reisenden, wie sie ameisengleich auf dem Bahnsteig umherlaufen, bepackt mit Koffern und allerlei Krimskrams. Ich irre nicht umher, ich bin die Ruhe selbst. Ich habe keinen Koffer, ich brauche keinen Koffer.
Eine Stimme aus einem Lautsprecher kündigt den ICE nach Kassel an. Ich habe meine Fahrkarte bar bezahlt, niemand soll wissen, wohin ich fahre. Ich werde in den Zug einsteigen und einfach weg sein. In den Zug, der mich von hier wegbringt, und immer näher zu dir. Ich bin Cator, ich bin dein Fleisch.

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Christiane Portele – Spiel mit dem Feuer

„Ich bin hochsensibel!“
„Die Frage war, was ihre Stärken und Schwächen sind. Bitte präzisieren Sie ihre Antwort“, werde ich aufgefordert.
„Mein Antwort war sehr präzise“, erwidere ich, „meine ausgeprägte Empathiefähigkeit ist meine größte Stärke und meine größte Schwäche zugleich!“
„Das müssen Sie uns jetzt bitte erläutern!“, meldet sich die andere Stimme zum ersten Mal zu Wort.
„Ich kann mich in mein Gegenüber hineinfühlen, fühlen was er oder sie fühlt, empfinden, was er oder sie empfindet. Das erlaubt mir, Rückschlüsse darüber zu ziehen, wie mein Gegenüber möglicherweise reagieren wird. Gleichzeitig drängt mir diese Fähigkeit geradezu alle Emotionen meines Gegenübers auf, die es als sehr stark und überwältigend empfindet. Wenn ich mich dagegen nicht abgrenze, kann dies dazu führen, dass es mich am logischen Denken und damit an einer objektiven Analyse der Situation hindert. Das Abgrenzen muss rechtzeitig geschehen und erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Energie.“
„Beeindruckend“, lautet der etwas trockene Kommentar der ersten Stimme. Ich spüre, dass da eine Ironie mitschwingt, eine gewisse Ungläubigkeit. Dass sie sich nicht sicher ist, ob sie das glauben soll.

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Juri Ricken – PurPur und KI

Smirov las die Mail zum wiederholten Male durch. Die Mail in welcher stand, dass seine Arbeit durch eine künstliche Intelligenz ersetzt wird. »Es ist so weit.«, dachte er in sich, »Das in letzter Zeit so oft debattierte Szenario trifft jetzt also ein …« Ungläubig las er nochmals. Dann klappte er seinen Laptop zu. Er dreht sich auf seinem Stuhl und blickte in sein Zimmer. Forschend sah er erst seine Gitarre und sein Klavier an, dann wanderte sein Blick über das Bücherregal und haftete sich auf seine Staffelei, die sich direkt neben den großen Kastendoppelfenstern befand. »Wird all das noch Wert haben in der Zukunft? Wird alles was mir wichtig ist erodieren? Ist es nicht schon im vollen Gange?« Smirov sprach laut in sein Zimmer hinein. Es überkam ihn auf einmal ein schrecklicher Weltschmerz. Undefiniert, nicht greifbar, breitete sich das Gefühl in ihm aus. Sein Herz zog sich zusammen. Schwindelnd stand er von seinem Stuhl auf und taumelte in die Küche. Vor seinem Weinregal machte er halt und zog eine Flasche SYRAH Jahrgang 2018 heraus. Er schenkte sich großzügig ein, weitaus mehr als es bei Rotwein vornehmend wäre. Sein Glas war randvoll. Er trank einen kräftigen Schluck ab und schaltete das Radio ein. “Helplessly Hoping” von Crosby, Stills & Nash ertönte aus dem kleinen Lautsprecher. Smirov sackte auf den Stuhl nieder, nahm einen weiteren, kräftigen Schluck, stellte sein Glas nieder, stützte die Ellenbogen auf den Tisch und schaute aus dem Küchenfenster in den Innenhof. Als das Lied zu Ende war, nahm er den letzten Schluck aus seinem Glas und schaltete das Radio ab. Zur Tür laufend warf er noch einen Blick in sein Wohn- und Arbeitszimmer und bemerkte, dass Also, sprach Zarathustra noch aufgeschlagen auf seinem Lesesessel lag. Er nahm das Buch und schob es in eine passende Lücke ins Bücherregal. Als Smirov auf die Straße trat, merkte er, wie ihm der Wein bereits zu Kopf stieg.

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