Archiv der Kategorie: Lyrik

L’étranger – Kamele

Am Zeitenende
wirds einen fetten Stau geben
vor dem Haupteingang:

Kameltreiber stehen dann
mit den Kamelen der Reichen
vor dem Nadelöhr am Himmelstor.

Drinnen sitzen schon die,
die nicht gewartet haben
– Dauerkartenbesitzer.

Die Kamele warten …


Lyrik von L’étranger findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorenprofil: Létranger.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Philipp L’étranger.

Sigune Schnabel – Sprache, dieses dünne Land

Das Meer ist meiner Fährte gefolgt
mit Zungen, die erschüttern,
und ich: ein Tier,
das aus der Sprache fällt
in luftgetränkte Welten.

Du stellst dich Wort für Wort
auf Deich und Wege.
Ich greife nur gelegentlich ein Stück.
Mal bist du Wind,
mal Schnee,
mal nur in meinem Kopf,
dem engen.
Um Längen bist du mir voraus.
Ich trinke die Erinnerung
und sinke in das Salz
der Wellen.


Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Sigune Schnabel findet ihr u. a. auf ihrer Homepage sowie auf ihrem KeinVerlag-Autorprofil: unangepasste.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Sigune Schnabel.

Philipp Schaab – Nachtwüste

Die letzten Türen schließen,
Der Korridor schaut leer
In Lichter, die zerfließen
Im dumpfen, schwarzen Meer.

Betonsee, ohne Räume
Und ohne Hoffnungsstrand,
Der wilden Wellen Träume
Zerbersten an der Wand.

Die Worte sind gesprochen,
Doch Fragen ungeklärt,
Kontakte abgebrochen,
Der Wendepunkt verjährt.

Der Ausblick ist vergittert
Die Fenster taub und blind,
Die Antwort hallt verbittert,
Im Echolabyrinth.

Entscheidung, hart getroffen,
Nicht mehr verhandelbar,
Lässt tiefe Wunden offen,
Die bluten Jahr um Jahr.

Nachtwüste, hinter Mauern
Versteinert, wo allein
Die Tage einsam dauern
Im Neonmondenschein.


Lyrik, Prosa sowie weitere Informationen über Philipp Schaab findet ihr auf seiner Homepage: Gewitterdämmerung sowie auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: HerrDerSchädel.

Bastian Kienitz – casino royal

erst zog sie den Herzbuben aus der Tasche, dann zog sie mich aus:

mit ihren warmen Blicken und den leichten Malen an den Brüsten,
so dass ich alles was darunter lag erfassen konnte. versuchte ich
mich zu konzentrieren,
ertrank ich in den schmelzenden Eisbergen, die sich vor mir auf-
taten, um wenig später festzustellen, dass ich den nächsten Blind
verlor.

                                                Zug um Zug. bis alle Karten offen lagen.


Lyrik, Haiku, Aphorismen und mehr von Bastian Kienitz findet ihr auf seinem KeinVerlag-Autorprofil: wa bash.

Hier geht es auch zu den 16 Fragen mit Bastian Kienitz.

Diana Jahr – nächtliche ortung

und wieder versuche ich
die nacht zu beschreiben
und bekomme sie doch nicht auf papier

gebannt:

ihre geräusche
wild und leise
kriechen ums haus
ein knacken und rauschen
im baum im raum

geistern gedanken
um mich
weht ein flehen
ein raunen
begleitet mich
nichts

ist zu fassen im schlaf
gibt es wunder nicht
zaudern sagst du
und zerzaust
mit warmer hand
meinen traum


Lyrik und Prosa von Diana Jahr findet ihr auch auf ihrem Blog: verssprünge.