Archiv der Kategorie: Prosa

Christiane Portele – Die letzte Schlacht um Schertva

Der Verteidigungsrat der Stadt hatte sich versammelt. Es war eine bescheidene Anzahl von Soldaten, die sich in mehr oder minder gutem Zustand eingefunden hatte. Der Major, ein betagter Kämpe, mit ungeschnittenen struppigen Haaren und einem wilden Bart, bekleidet mit einer mehrfach zusammengeflickten Hose in Tarnfarben und einem alten dunkelblauen Militärmantel, baute sich vor seiner kleinen Truppe auf und erhob seine müde Stimme: „Tapfere Kameraden! Ihr habt mutig und unter Einsatz eures Lebens stets die Stadt verteidigt! Ehre dem Vaterland!“

Ein Chor erschöpfter Stimmen antwortete ihm: „Ehre dem Vaterland!“

„Es ist uns gelungen, sie gegen alle Angriffe zu verteidigen! Die Lage, die sich uns jetzt bietet, ist jedoch prekär, um nicht zu sagen“, er zögerte kurz, bevor er energisch fortfuhr, „verzweifelt!“

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Bernhard Zilling – In Reserve

Nur herunter gekommene Männer bückten sich nach Dingen, die auf dem Boden lagen, dachte sie. Frauen gehen über solche Belanglosigkeiten hinweg. Daran hatte sie sich gehalten, bis zu diesem Tag. Sie war gerade aus ihrem Büro gekommen, Feierabend, suchte ihr Auto, sah es, ach, dort steht es ja. Und blickte, beim Öffnen der Fahrertür, von etwas Hellem angezogen, zu Boden, auf das Kopfsteinpflaster, wo ein weißer Zettel lag. Sie dachte, den habe ich bestimmt eben verloren und hob ihn auf.

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16 Fragen an Nicole Prosser

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Nicole Prosser:

16 Fragen an Nicole Prosser

Ich bin in Graz geboren, habe dort ein Lehramtsstudium abgeschlossen und anschließend ein Philosophiestudium in den Niederlanden. In meinem bisherigen Erwachsenenleben habe ich an sehr vielen unterschiedlichen Orten gelebt: neben Graz und den Niederlanden auch zeitweise in Kärnten, Frankreich, Marokko, Deutschland und der Slowakei. Seit 2022 bin ich als OeAD-Lektorin für Germanistik tätig. Im Zuge dessen habe ich gemeinsam mit einer Kollegin den Schreibwettbewerb Schreibreich ins Leben gerufen. Vor einem Jahr habe ich zudem eine Psychotherapie-Ausbildung begonnen. Zurzeit bewege ich mich zwischen Graz, Wien und Maribor in Slowenien. Seit zwei Jahren veröffentliche ich Gedichte in Literaturzeitschriften, Anthologien und Online-Magazinen. 2022 war ich Finalistin beim zeilen.lauf-Lyrikwettbewerb und dieses Jahr Finalistin beim Hanns-Meinke-Preis für junge Lyrik.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Die Gedichte „Constructing Reality” und “Tauchgang” im Reibeisen Nr. 41
  • „Zeitsprünge“ im Litera[R]t Heft 23
  • „Imagination als Gegenwart“ für #kkl37
  • „Homo ex machina“ in der Anthologie „Die letzten Tage des menschlichen Denkens“ (hrsg. von Therese Bauer) beim Wiener Verlag
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16 Fragen an Tim Tensfeld

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Tim Tensfeld:

16 Fragen an Tim Tensfeld

Tim Tensfeld, geboren am 10. Februar 1999 in Bad Oldesloe. Lebt und arbeitet künstlerisch in Trittau, Schleswig-Holstein. Seine Texte, hauptsächlich Lyrik und Prosa, veröffentlicht er regelmäßig in Literaturzeitschriften (u.a. etcetera, ET AL., Poesiealbum neu, Literarische Blätter, Der Umtrieb und silbende_kunst), Onlinemagazinen (u.a. #kkl, das internationale Literaturmagazin gleich-anders.de, Rehkitzler E-Zine und 16 Seiten), Zeitungen und diversen Anthologien (u.a. bei Hanns-Seidel-Stiftung e.V. München, Autorenkollektiv Frei!Geist, Bubenreuther Literaturwettbewerb, Lorbeer Verlag).

2022 wurde er mit dem Preis „Die Feder 2022“ von der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. in München ausgezeichnet und war 2023 mit seinem Text „Sanierung bis zum Nichts“ auf der Shortlist des Putlitzer Preises 2023. 2024 erhielt er erneut die Auszeichnung von der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. in München, „Die Feder 2024“ und war mit einigen seiner Werke auf der Longlist des 6. Hanns-Meinke-Preises für junge Lyrik.

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Arne H. Schneider – Der Schrei-Traum

Die überwiegende Zahl der Menschen kann sich meist nur bruchstückhaft an das erinnern, was sie während des Schlafes geträumt haben. Der Unterschied, warum meine Träume sich von denen der meisten Menschen unterscheiden, besteht zum einen darin, dass ich sehr lebhaft träume – und dass meine Träume wiederkehren. Genauer gesagt handelt es sich um einen bestimmten Traum, der mich regelmäßig heimsucht und der sich endlos wiederholt, so sehr ich mich auch bemühe, von ihm loszukommen – und das seit meinem siebten Le-bensjahr. Er birgt Angst und Traurigkeit, denen ich mich tagelang nicht entziehen kann.
Ich nenne ihn den Schrei-Traum.

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