Archiv der Kategorie: Prosa

Johannes Tosin – Saunaschinken

„Er isst!“, sagt die BILLA-Mitarbeiterin Frau Schmidtbauer zur Filialleiterin. „Wie?“, fragt sie, „Wer isst was?“ „Der alte Mann dort mit dem zauseligen Bart“, sagt Frau Schmidtbauer, „er hat zuvor ein Laugenstangerl und ein Mohnweckerl gegessen. Jetzt hat er eine Packung Hofstädter Saunaschinken geöffnet, 100 Gramm um 2,19 Euro.“ „2,19 Euro waren es letzte Woche, jetzt kostet er 2,39 Euro“, sagt die Filialleiterin.

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Andrea Tillmanns – Luises Lied

Spiel ein Lied für mich, sagt sie.
Yesterday mag sie am liebsten. Ich probiere Verzierungen, kleine Triller, zaghafte Improvisationen.
Heute spielst du besonders schön, sagt sie wie an jedem Abend und schläft lächelnd ein.

Luise ist ein hübsches Mädchen, mit ihren vierzehn Jahren schon sichtbar auf dem Weg zur Frau. Auf den ersten Blick sieht man ihre blonden Ringellocken, die Stupsnase und den etwas zu großen Mund, und erst, wenn man die verwachsenen Finger ihrer abgeknickten rechten Hand bemerkt, denkt man an Medikamente oder andere Ursachen. Dass Luise sehr allein ist unter den jungen Leuten hier, erkennt man da noch nicht.

Kennst du den Text dazu? fragt sie in der zweiten Woche.
Ich lege meine Gitarre beiseite und suche das Liederheft.
Aber das Singen musst du übernehmen, sage ich und schlage die richtige Seite auf.
Nur wenn du mitsingst, grinst sie. Aber das hat sie nach den ersten Tönen schon längst vergessen.

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16 Fragen an Andrea Tillmanns

Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

Viel Spaß beim Kennenlernen von Andrea Tillmanns:

16 Fragen an Andrea Tillmanns

Geboren in Grevenbroich, lebt in Ostwestfalen-Lippe und arbeitet hauptberuflich als Hochschullehrerin. Sie schreibt seit vielen Jahren Gedichte, Kurzgeschichten und Romane in den verschiedensten Genres. Weitere Informationen, Links zu bisherigen und aktuellen Veröffentlichungen sind auf ihrer Website www.andreatillmanns.de zu finden.

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    16 Fragen an Johanna Hansen

    Wir freuen uns, euch erneut jemand Neues auf den 16 Seiten vorstellen und wie immer erfolgt das anhand einer kleinen Selbstvorstellung und der 16 Fragen.

    Viel Spaß beim Kennenlernen von Johanna Hansen:

    16 Fragen an Johanna Hansen

    Autorin, Malerin, Buchillustratorin. Herausgeberin der Literaturzeitschrift WORTSCHAU. Lebt in Düsseldorf. Zunächst Lehrerin und Journalistin. Seit 1993 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Seit 2008 Publikationen vor allem von Lyrik in Kombination mit eigenen Bildern. In Zusammenarbeit mit Musiker:innen und Komponist:innen entstehen Performances, Buch/CD Projekte und Poesie-Filme. Gedichte wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.

    • Veröffentlichungen (Auswahl):
    • Mondhase an Mondfisch, Künstlerinnenbuch, Wortschau Verlag 2022
    • Tischtuchnotizen, Künstlerinnenbuch, Wortschau Verlag 2021
    • zugluft der stille, gedichte und bilder, edition offenes feld 2020
    • Schreiben ist eine Art von Luftwiderstand, ein deutsch-amerikanischer Briefwechsel, Wortschau Verlag 2019
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    Lesego Mosupyoe – Begegnung

    Sie atmete erleichtert auf. Dabei spürte sie, wie sich ihr Körper entspannte und sich ihr Herzschlag verlangsamte. Dann ließ sie ihre Augen abermals zu dem Fremden hinüberschweben. Das Mahl war beendet, der Gastgeber hatte in den Garten geladen. Der Unbekannte aber war im Haus geblieben und hatte sich zu den Gemälden begeben. Ihm schienen Bilder mehr zu behagen als Mitmenschen. Seltsam. Doch war seine Sperrigkeit zugleich ihre Rettung. Während des Essens hatte sie mit der Frage gerungen, wie sie seine Nähe suchen könnte. Denn schon nach dem ersten Blick hatte die Neugier an ihrer Geduld zu nagen begonnen. Gleichzeitig hatte sie die Sittlichkeit wahren müssen. Sogar ihre Leibspeise hatte sie mehr aus Höflichkeit denn aus Genuss zu Munde geführt. Nun war ihr aber die Lösung endlich beschert worden: Als eine Tochter des Hauses durfte sie ihm eine Erfrischung anbieten.

    Das Getränk nahm er in der üblichen Manier entgegen. Der reichhaltige Duft tat ihm wohl. Dieser sprach für eine gediegene Verbindung der Zutaten. Alsbald erfreute sich seine Zunge einer vorzüglichen Mischung, die mit jeder Umwälzung neue Feinheiten erschloss. Ebenfalls erquicklich war der Anblick der Dame. Das angenehme Antlitz schmückte ein hübscher Mund. Den wohlgebauten Körper schützte eine zarte, seidene Haut. Die Kleidung – äußerst geschmackvoll. Am schönsten waren aber ihre Augen … Er genoss schweigend.

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